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Als das Sturmtief „Yra“ den halben Hahn umwarf

Allen sind die Orkane Kyrill und Lothar ein Begriff, doch wer erinnert sich noch an den Orkan „Yra“?

Als ich neulich durch den Hahn spazierte und den Kahlschlag im Hahn betrachtete, fühlte ich mich an ein längst vergessen geglaubtes Ereignis erinnert, nämlich als ein Sturm in nur einer Nacht den halben Hahn umblies.
Ich musste lange suchen, bis mir das Internet das Datum dieses denkwürdigen Ereignisses verriet. Es war der 24. November 1984.
Die Wetterlage an diesem und dem vorhergehenden Tag war ungewöhnlich. Wie der Wetterbericht vermeldet, bildete sich südlich eines Zentraltiefs bei Schottland ein Randtief, das sich schnell zu einem Orkantief entwickelte und im Tagesverlauf sehr rasch über Deutschland zog.

In der Nacht zum 24. kam hinter der Warmfront vorübergehend ein Schwall sehr milder Luft (stellenweise 15°C) nach Deutschland. In der Eifel kam es daher zu teils kräftigen Regenschauern, die örtlich auch gewittrig waren. Zudem nahm der Wind immer mehr zu. Einzelne Windböen erreichten Geschwindigkeiten von mehr als 150 km/h.

Der Sturm wütete hauptsächlich in einer Fichten-Monokultur, etwa in einem Bereich zwischen Freibad und Campingplatz. Kein einziger Baum blieb stehen; sie waren umgeknickt wie Streihhölzer. Lediglich die mächtigen Buchen blieben unversehrt. Ihnen konnte man erst kürzlich mit Kettensägen den Garaus machen.

Obwohl damals das Baumsterben und diverse Borkenkäferplagen Tagesgespräch waren und der Wald irgendwie sowieso aller Leute Freund war, hat mich die Katastrophe damals ich nicht so schockiert, wie sie es heute täte. Wir machten das beste aus der Situation und begannen damit, Tannenzweige für die bevorstehende Advents- und Weihnachtszeit zu sammeln. Darunter richtig tolle Äste mit vielen Tannenzapfen.

Wenn man heute durch den Hahn geht, ist die einstige schwere Wunde nahezu verheilt. Anstelle der Fichten und Tannen hat man sinnvoller Weise eine bunte Mischung an Laubbäume gepflanzt, die mittlerweile einen Höhe von etwa 20 Metern erreicht haben.
Was lernen wir aus den Ereignissen? Nun, ich würde sagen, den Hahn bekommt man so schnell nicht klein. Er wird sich auch vom schwersten Schicksals(kahl)schlag erholen. Auch wenn es dem Naturfreund nicht immer direkt einleuchtet, gelegentliche Verjüngungskuren nutzen dem Wald mehr, als sie ihm schaden.

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