Kirche

Jubiläumsfeierlichkeiten 27 Jahre Papst Pius IX

Mosel-Zeitung, No. 63, 18. Juni 1873

Kyllburg. 26. Juni. Gestern feierten wir hier das 27jährige Papstjubiläum Pius‘ IX. Alles war auf das festlichste geschmückt. Triumpfbogen standen an Triumphbogen, geziert mit den Emblemen des Papstthums; Die Häuser waren reichlich beflaggt mit päpstlichen und preußischen Fahnen. Am Morgen war ein feierliches Hochamt. Nachmittags sollten die Pfarreien Ehlen, Bickendorf, Seffern, Neidenbach, Malberg, und Fließem hierher zur Stifts-Marienkirche einen Dank- und Bittgang zur Rettung unseres heißgeliebten h. Vaters machen. Gegen 4 Uhr kamen die Pfarreien von Ehlen, Fließem und Neidenbach, (die übrigen waren durch den starken Regen verhindert worden) abgeholt von der Pfarrei Kyllburg, welch das Musikchor von hier begleitete. Ein imposanter Zug zog nun betend und singend zur Marien-Kirche hinauf. Wie ward das Herz ergriffen, wenn die Wallfahrer bei jedem Ave Maria zufügten: „Mutter der Barmherzigkeit! Bitt‘ für die ganze Christenheit!“ Die mächtigen Töne der Orgel rauschten freudig den Pilgern entgegen. Die Priester umstanden mit brennenden Kerzen das hochwürdige Gut, mit welchem der Segen gegeben ward. Ob die große gothische Kirche seit den 600 Jahren ihres Bestehens jemals so viele Andächtige zusammen gesehen hat? Die Predigt handelte von der unendlichen Liebe und Macht des Herrn Jesu, bei dem wir Rettung für unsern h. Vater erflehen sollten. Am Schlusse derselben fand nach der Intension unseres hochwürdigen Bischofes Matthias die Weihe der einzelnen Pfarreien an da hh. Herz Jesu statt. Als nun nach der Abbetung der Litanei vom hh. Herzen Jesu das Te Deum angestimmt wurde – da hätten Sie dabei sein müssen; wie hallten und wallten die Töne desselben weit, weit hinauf und hinaus über den großen Stiftsplatz, begleitet von dem gewaltigen Donner der Böller, den ein tausendfaches Echo in unsern Bergen zurückgab! – Nach einer Stunde der Ruhe zogen die Pilger wieder zur Heimath. Das glaube ich sagen zu können: Allen wird dieser Papsttag unvergesslich bleiben! Allen ward es wieder klar, das Wort unsers Herrn: Du Papst bist der Fels, auf dem allein alle Menschen Rettung finden können!

Mosel-Zeitung, No. 71, 27. Juni 1873

Aus der Eifel, 25. Juni. Das Vaterland ist gerettet! Denken Sie sich: hier in der Eifel, in der friedliebendsten Gegend der Welt ist ein staatsgefährliches Complott entdeckt worden! In der Nacht – doch nein, am hellen Tage des 22. Juni 1873 sollte es losbrechen: mehrere Pfarreien der Nims wollten mit Rosenkränzen bewaffnet eine Prozession nach dem Gnadenbilde in Kyllburg machen, als Bittgang für unsern h. Vater. Alles war schon festgestellt, die Stunde Aus- und Aufbruches bestimmt – da, noch zur rechten Zeit, wird das staatsgefährliche Unternehmen entdeckt und von der Polizei ohne alles Blutvergießen inhibirt. – Ebenso, wie ich höre, sollte kein solches ultramontanes Wagniß in die Bergfeste Speicher ausbrechen: ein Bittgang nach Clausen, wurde aber auch im Keime ohne Todten und Verwundete erstickt. „Lieb Vaterland kannst ruhig sein! Fest steht und treu die Wacht in der Eifel!“

Mosel-Zeitung, No. 73, 30. Juni 1873

Kylburg, 25 Juni. Aus unserem romantischen, stillvergnügt abgelegenen Örtchen haben wir wieder nur Erfreuliches zu berichten. Die Glaubenstreue und Anhänglichkeit an unsern vielgeliebten heiligen Vater hat sich nämlich am vergangenen Sonntag wieder recht lebhaft und eindringlich documentirt, trotzdem auch hierhin der Liberalismus seine fahlen Strahlen zu werfen beginnt. Weil die vor acht Tagen projektirte Zusammenströmung der Prozessionen von sieben Gemeinden hier zu unserm Muttergottesbilde in der Stiftskirche durch den strömenden Regen leider zu Wasser geworden war, wurde am vorigen Sonntag dies erhebende Schauspiel mit um so größerem Erfolg in Szene gesetzt, als die Theilnahme durch die in der Luft umherschwirrenden Gerüchte von beabsichtigtem Verbote der Prozessionen sich bis zum Unerwarteten gesteigert hatte. Zu Tausenden, viel reichlicher noch als bei der neulich gemeldeten Quirinus-Prozession im benachbarten Malberg, zogen die frommen Pilger, singend und betend, begeistert und begeisternd, daher zu unserer stattlichen Stiftskirche, welche die Menge nicht fassen konnte. Die Ruhe und Ordnung wurde nicht im Mindesten gestört, selbst dann nicht als der hiesige berittene Regierungs-Gensdarm mit dem Verbot der Prozession daher gesprengt kam, aber post festum – denn die kirchliche Feier war eben mit dem feierlichen Te Deum unter Glockenklang und Böllerschüssen vorübergegangen.