Kirche

Firmung im Jahr 1873 mit Bischof Matthias Eberhard

Quelle: Mosel-Zeitung, No. 123., 27. August 1873

Kyllburg, 24. August. Am Abend des 20. sollte unser hoch würdigster Herr Bischof Matthias (anm. Eberhard) hier am Mittelpunkte des Dekanats eintreffen, um das h. Sakrament der Firmung zu spenden. Es war vorauszusehen, daß die hiesige Bürgerschaft dies als einen freudigen Anlaß benutzen werde, um dem gefeierten Oberhirten ihre Denkungsart und eigentliche Herzensmeinung in gegenwärtiger Zeit an den Tag zu legen. Und so geschah es auch. Die mit Guirlanden, Fahnen und Bäumen festlich geschmückten Straßen, die geschmackvollen Ehrenpforten, unter welchen besonders die an dem Hause des Herrn Quirin mit ebenso viel Kunstsinn wie Eleganz errichtete, und aus welcher mit mächtigen Lettern dem Nahenden die Worte: „Heil Dir wackrer Kämpfer für Glauben und Recht“ entgegenprangten, sich auszeichnete, das feierliche Geläute der Glocken, der Ausdruck ungeheuchelter Freude und Begeisterung in den Mienen Aller, waren für den hohen Gast ein offenkundiges und lautes Willkommen. Endlich nahte dann die Stunde seiner Ankunft. Lauter Donner der Böller, deren Echo mächtig an den Abhängen des Stiftsberges dahinrollte und weithin in die Thäler sich fortpflanzte, begrüßte schon von Weitem den Ersehnten, den dann in festlichem Zuge man zur Kirche und von dort nach dem glänzend durch Lichter und transparente Bilder erleuchteten Pfarrhofe geleitete. Die kirchliche Feierlichkeit der Ausspendung des Sakraments der Firmung am andern Morgen. Wozu unsere große neu restaurirte Orgel zum erstenmale wieder in mächtigen Accorden rauschte, war erhebend und bot Nahrung für Geist und Herz; Wohl selten hatten die weiten Räume der Stiftskirche eine solche Menschenmenge in sich ausgenommen, wie an jenem Morgen. Nachdem am Nachmittage das nahe Malberg mit dem Besuch des Herrn Bischofs beehrt worden war, kehrte er sodann gegen Abend wieder hierher zurück.

Bei einbrechender Dunkelheit bewegte sich ein glänzender Fackelzug den Stiftsberg hinauf, woselbst Sr. Gnaden eine Serenade gebracht wurde. Namens der Bürgerschaft sprach Herr Maler Animin dem Hochwürdigsten Bischof den Dank sowie die Versicherung aus, daß treu den väterlichen Traditionen Kyllburg auch in den gegenwärtigen Bedrängnissen treu zur katholischen Kirche und ihrem gottgesetzten Oberhaupte stehen werde. Sichtlich bewegt dankte hierauf der hochw. Herr Bischof in herzlichen, kernigen Worten, indem er hervorhob, daß gerade hier in Kyllburg ihm solche Beweise der Liebe und Anhänglichkeit außerordentlich wohlgethan hätten und mit der Hoffnung schloß, selbiges bei der 600jähr. Jubelfeier der Stiftskirche (1876) in schönem Zeiten wiederzusehen. Es war ein ergreifender Anblick, als Tausende auf den Knieen den bischöfl. Segen empfingen und nun auf einmal die alterthümlichen Formen der nahen Kirche jetzt in rothem und bald in grünem Feuer erstrahlten. Pfeilschnell blitzten dazwischen Raketen auf, schillernde Leuchtkugeln, Windmühlen, Sonnen u. Sterne gingen auf und unter in prasselndem Feuerwerk, bis endlich ein prachtvolles M in strahlendem Brillantfeuer erglänzte. Tausende von Menschen von Nah und Fern wogten noch spät auf dem großen Platze umher und allgemein gab sich die herzlichste, freudigste Stimmung kund. Was indessen die ganze Festfeier so erfreulich für jeden machen mußte, war die musterhafte Ruhe und Ordnung, die überall herrschte, sowie der Umstand, daß, trotzdem Manches zur Verwirrung und Aufregung der Gemüther geschehen war, das schöne Fest durch keinen Mißton oder eine Störung getrübt wurde. Möchten die Liebe und Verehrung, womit man den: hochwürdigsten Herrn Bischof hier überall begegnete, demselben ein Beweis für die Gesinnung der hiesigen Einwohner sein, sowie ihm Trost in so manchen schweren Stunden gewähren.