Erzählung/Gedicht/Lied

Die Legende um Ritter Kuno von Malberg

Quelle: Vom frischen Quell : Sagen, Legenden und Geschichten aus der Eifel / jung und alt in neuer Fassung dargeboten von Jos. Schiffels 1912, S. 28

Im 12. Jahrhundert lebte auf seinem Schlosse zu Malberg an der Kyll der reiche und angesehene Ritter Kuno. Er hatte einen Kreuzzug mitgemacht und sich dabei durch seine Tapferkeit rühmlich ausgezeichnet. Als er in den Jahren bereits vorgerückt war, trat er in das Kloster zu Himmerod ein. Dort zeigte er großen Eifer und hatte bald einen hohen Grad von Vollkommenheit erreicht. Gott gewährte ihm die Gnade, seinen Tod genau vorherzusagen. Nun besaß die Abtei ein sehr wertvolles Pferd, das der Graf Heinrich zu Isenburg durch Kauf gern an sich gebracht hätte. Da man es aber nicht verkaufen wollte, suchte er es auf andere Weise zu gewinnen, nämlich dadurch, daß er es heimlich entwendete. Man bat ihn, das Pferd zurückzugeben. Da er sich aber dazu nicht verstehen wollte, wurde Kuno, mit dem er gut befreundet war, zu ihm geschickt. Auch er richtete nichts aus, und voll heiligen Zornes lud er den Grafen vor den Richterstuhl Gottes auf einen bestimmten Tag. Er sagte ihm den Tag seines Todes voraus, an dem er den Dieb vor Gottes Richterstuhl verklagen werde. Kuno kehrte darauf in sein Kloster zurück. Einst sagte er zu dem Abte Eustachius: „An einem Freitage habe ich das Kreuz genommen zum Zuge in das heilige Land, an einem Freitage habe ich das Ordenskleid erhalten, und an einem Freitage werde ich von Gott den Lohn für meine Mühen empfangen.“ Bald wurde Kuno krank. Als seine Freunde ihn besuchten, sagte er ihnen, daß er noch drei Tage leben werde. Und es geschah wirklich so, wie er gesagt hatte. Ein Freitag war sein Todestag.

Als Heinrich das hörte, wurde er von großer Furcht ergriffen. Denn jener Freitag, an dem Kuno starb, war der Gerichtstag, den ihm der Verstorbene bestimmt hatte. Er machte sich eiligst mit dem Pferde nach Himmerod auf und brachte es barfuß an das Grab Kunos. Dann übergab er es dem Kloster. Er trat dann selbst in dieses ein, um sich auf einen guten Tod vorzubereiten.