Pfarrarchiv

Aus Kyllburg und seiner Umgebung

Jahr: 1276
Quelle: Bistumsarchiv
Bestand 1A Nr. 11572
Autor: B. Pauly

Das „castrum Kiliberg“ wird zuerst in einer Urkunde vom 26. Juli 800, in der ein gewisser Elmfred und seine Frau Doda der Abtei Prüm mehrere, am „Kiliberg“ gelegene Ländereien schenkten, erwähnt und war mutmaßlich eine uralte Wallburg. Diese Urkunde findet man in Trier in der Stadtbibliothek unter „Bergers Urkundensammlung“, aus der ein Bekannter sie mir abgeschrieben hat. Ihr Wortlaut ist wie folgt in Kirchenlatein geschrieben:

„762-804. Ego elmfredus et coniux mea constat. Donatumque in perpetuum esse voluntas pro amice nostro … ad monasterium, qui vocatur prumia. Hoc est campo iuri nostri terra propia habentem plus minus iure uno ad prope kilibergo in pago bedinse et subiungit de uno latus terra ipsius monasterii st. salvatoris de alio vero latus terra scaifario. Similiteer in alio loco qui vocatur mainornis in pago bedinse donamus Acta prumia monasterio VII Kalendaris Augusti in anno XXXII regnante domino nostro Carolo. Carta quam H. et coniux ma duda fecerunt in pago bedinse inxtra castrum Kiliburg et in alio loco qui dicitur mainortiis.“

 

Weniger alt als die oben erwähnte Burg auf dem „Kiliberg“ sind die Inschriften die noch in großer Zahl, sei es in der Stiftskirche, an Kanonikerhäusern oder an Mauern, anzutreffen sind. In der Stiftskirche befindet sich an dem linken Chorpfeiler eine Lapidarinschrift, die allerdings nicht aus der Zeit der Gründung der Kirche zu stammen scheint.

Die Inschrift trägt folgenden Wortlaut:

„AD GLAM ET IN HONOREM B:V: MATRIS SVAE OIVMQVE SS:VIRGINVM HUIS ECCLIAE CSTRVCTrO PER RSSIMVM D D HENRCVM ARCHIEP TREVIA EIVS DEMQVE ILLRE CAPDM INCEPTA EST ANNO 1276 8. MAY“

 

Dieser Text, der reich an Abkürzungen ist, lautet in vollständigem Latein:

„AD GL[ORIA]M DEI ET IN HONOREM B. V. MATRIS SUAE O[MN]IUMQUE S.S. VIRGINUM HUIUS ECCL[ES]IAE C[ON]STRUCTIO PER RE[VERENDI]SSIMUM D. D. HER[I]CUM ARCHIEP[ISCOPUM] TREVIR[ENSEM] EIUSDEMQUE ILL[UST]RE CAPITULUM INCEPTA EST ANNO 1276. 8. MAY“

 

Die deutsche Übersetzung ist folgende:
„Zur Ehre des allmächtigen Gottes und zur Ehre der allerseligsten Jungfrau und Gottesgebärerin und aller hl. Jungfrauen wurde der Bau dieser Kirche begonnen durch den hochwürdigen Herrn Erzbischof Heinrich von Trier und durch das ehrwürdige Kapitel desselben im Jahre 1276 den 8. Mai“

 

Neben dieser Inschrift befindet sich ein Epitaph, das, in halb erhabener Arbeit dargestellt, eine geharnischte Ritterfigur in kniender Stellung veranschaulicht. Zu Häupten des Knienden liest man die in lateinischen Großbuchstaben gemeißelten Worte:
„ANNO 1540 DEN 17. SEPTEMBRIS IST VERSTORBEN DER EDEL UND EHRENFEST JOHAN VON SCHÖNENBURGH HER ZU HARTELSTEIN UND ULM DEM GOT GNÄDICH UND BARMHERZIG SEIN WYL IN EWIGKEIT AMEN“
Zu beiden Seiten des Ritters sind mehrere Wappen, auf denen, leider schlecht erkennbar, wahrscheinlich die Namen seiner Ahnen eingehauen sind. Ich las die Namen: von der Leyen, Dürkem, Neikenich, Burscheit und Kruft.

 

Unmittelbar neben dem Epitaph des Ritter Johann von Schönenburg ragt an der glatten Wandfläche ein anderes Denkmal hervor, das von einem Kanoniker dieser Marienkirche gestiftet worden ist. Diese Gruppe, die aus Kyllburger Sandstein ausgearbeitet ist, wird in ihrer Mitte von dem Bild der schmerzhaften Muttergottes eingenommen. Zur Rechten dieses Bildes kniet die Figur des Stifters; zur Linken erhebt sich das Bild der hl. Magdalena. Über der Figur des Geschenkgebers erblickt man seinen Namenspatron, den hl. Hugo, auf der anderen Seite, diesem gegenüber, den hl. Johannes Baptist.

Unter dem Stifter steht der Spruch:

“ Miserere mei Deus, miserere mei, quoniam in te confidit anima mea.“

Zu deutsch:

„Erbarme dich meiner o Gott, erbarme dich meiner, da ja meine Seele auf dich vertraut.“

 

An der rechten Seite, unter dem Bild der hl. Magdalena steht zu lesen:

„Dimissa sunt ei peccata multa, quoniam dilexit multum.“

Die deutsche Übersetzung davon lautet:

„Vergeben sind ihr viele Sünden, weil sie viel geliebt hat.“

 

Unterhalb der Gruppe befindet sich folgende Widmungsinschrift:

„IN HONOREM SCTISSIMAE VIRGINIS MARIAE MATRIS DNI NOSTRI JESV CHRISTI HONORABILIS DNS HVGO SCHMIDTBERG, KILBVRG CANONICVS HVIVS ECCLESIÆ ME FIERI CVRAVIT 12. DECEMBRIS AD 1630″

Diese Widmungsinschrift heißt zu Deutsch:

„Zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria und Mutter unseres Herrn Jesus Christus ließ der ehrenwerte Dechant Hugo Schmidtberg von Kyllburg, Kanoniker dieser Kirche mich errichten.“

 

Außerhalb der Stiftskirche findet man noch mehrere Inschriften an Mauern, Hau- und Decksteinen und an Kanonikerhäusern. In der Umfassungsmauer des Pfarrhauses, die ein Rest der ehemaligen Burgmauer um die Kiliburg ist, bemerkt der Vorübergehende einen Stein mit der Inschrift „STRIFTSFREYHEIT“ auf die eine Schwurhand hinweist, nebst einem Adler. Neben diesen Steinplatten ist ein Stein in die Mauer eingefügt, der das Wappen der Eltern Christoph Nells, des letzten Kanonikers von Kyllburg, auf den ich noch zu sprechen kommen werde, darstellt. Über dem Wappen ist die Zahl 1767 zu lesen. Nun, was sagt uns denn das Wort „Stiftsfreiheit“? Aller Wahrscheinlichkeit nach befand sich dieser Stein früher nicht hier sondern an der Mauer, die um die „Kiliburg“ lief. Da sie um das Jahr 1332 die Grenze des Kurtrierischen, also die Grenze zwischen weltlichem und geistlichem Gebiet, bildete, war ein war ein Verbrecher, dem es gelang, das Gebiet innerhalb der Mauer zu erreichen, vor dem weltlichen Richter gerettet. Er war dann also der geistlichen Gerichtsbarkeit ausgeliefert, die natürlich viel gelinder urteilte als das weltliche Gericht. Hatte der Verbrecher. Hatte der Verbrecher jedoch den Ort der Freiheit nicht erreicht, so wurde er auf dem Berge, der dem Stiftsberg gegenüber liegt, hingerichtet. Den Ort, wo der Verbrecher die Strafe für seine Gräueltaten erhielt, nennt man noch heute im Volksmund „am Galgen.“

Der Ort für die geistliche Gerichtsbarkeit war auf dem sogenannten „Kreuzgärtchen“, da wo sich heute das Ehrenmal für die gefallenen des Weltkrieges befindet. Vier mächtige Linden überschatten die friedliche Stelle. In ihrer Mitte steht ein schlankes Kreuz, das sehr alt zu sein scheint, denn am Kreuzschaft steht: „RENOVATA 1786 “ Das Zeichen bedeutet den Namen des oben erwähnten letzten Kanonikers Christoph Nell, dessen Name in viele Säulen auf diesem Ort eingemeißelt ist. Mein Blick fällt weiterhin auf die Jahreszahl auf einem verwitterten, moosüberzogenem Kreuz in der alten Mauer: „1787.“

Auch unser heutiges Pfarrhaus, ehemals ein Kanonikerhaus, ist reich an alten Denkwürdigkeiten. Zwei sinnvolle, sogenannte Chronogramme schmücken die Türdecksteine.

Die oberste Inschrift lautet:

„te IpsVM Cognos Cito et has Ingre Dere Lares.“

Zu deutsch:

„Erkenne dich selbst und betritt diese Schwelle.“

Eigenartig ist, daß bei der Zusammensetzung der durch größere Schrift hervorgehobenen Buchstaben sich die Jahreszahl MDCLVIII (=1758) ergibt.

 

Auf dem unteren Türdeckstein steht der Spruch:

„pro aMICe et Confratre aDItVs Libenter patet.“

Die Deutsche Übersetzung dieses Spruches heißt:

“ Für den Freund und den Mitbruder steht der Eingang gern offen“

Aus den lateinischen Großbuchstaben ergibt sich auch hier die Jahreszahl 1758.

 

Vor einigen Jahren hat man im Pfarrhausgarten zwei andere Türdecksteine gefunden, die beide eine lateinische Inschrift tragen.

Die erstere lautet:

„Isti hoMines qvi Intrant Cantent LavDetvr IesVs Christvs. c. nell decanatvs“

„Die Menschen da, die eintreten mögen singen: Gelobt sei Jesus Christus.“

Wieder findet man auf diesem Chronogramm die Jahreszahl 1758.

 

Der zweite Türdeckstein trägt die sonderbare Inschrift:
„DER AVSGANG VND EINGANG MEIN SOL DIR O GOTT ANBEFOHLEN IN AMORE VIVIT AMICITIA EINMAHL WIE ALLEMAHL.“
Wahrscheinlich ist dieser Stein jüngeren Ursprungs, worauf die Form und die Schreibweise hinweist.
Weiter den Stiftsberg hinab gibt mir auch noch ein Haus Anlaß, an vergangene Zeiten Kyllburgs zu denken.

 

Über der Tür hat ein ehemaliger Kanoniker seinen Namen einmeißeln lassen:

„MATHIAS VITALIS RICHARDI CANONIKUS ET PASTOR IN KILBVRG 1746“

An dieses Haus war eine Kapelle angebaut, wovon heute noch eine Statue in der Mauer des Nachbarhauses zeugt.

Weit reicher als an Inschriften ist unsere Gegend an Kreuzen, die allerorts an Feldrainen, Straßenkreuzungen, auf Hügeln stehen und den Wanderer den Landmann an jenes große Geschehnis, das sich einst am Kreuze abgespielt hat. Sie alle aber zeugen von dem tiefreligiösen Glauben unserer Vorfahren. Je nach Alter, Gegend und Bedeutung sind sie verschieden. Verschieden ist die Form, das Material, die Lage. Fast alle tragen eine Inschrift; ich sage fast alle, wohl ist das eine oder andere vom Zahn der Zeit zerstört worden. Aber ich konnte schon mehrere Male feststellen, daß das ein oder andere Kreuz sicherlich nie eine Inschrift gehabt hat. Warum wohl? Sicherlich weil eben nicht jeder, der ein solches Kreuz errichten ließ – und es wurden in vergangener Zeit viele errichtet, davon ja alle vorhandenen zeugen – seinen Namen genannt wissen wollte. Fast alle Kreuze aus der Umgebung von Kyllburg sind aus Stein. Diesem Umstand ist es auch zu verdanken, daß sie sich bis in unsere Zeit erhalten haben und uns über manches Ereignis Aufschluß geben. Stumme und doch welch lebendige Zeugen.

Das wichtigste und beachtenswerteste Kreuz meiner Heimat ist das Schwedenkreuz oder, wie es der Volksmund nennt, das Kniekreuz. Es war zur Zeit, als die schwedischen Horden sengend und Brennend durch unser Vaterland zogen. Auch die Eifel und auch Kyllburg blieben nicht verschont von ihnen. Mit diesem Kreuz, das in der Nähe des Ortes Badem errichtet worden ist, hängt folgende Geschichte zusammen.

Schwedische Reiter verlangten von dem Schulzen von Kyllburg alles Geld und sonstige Kostbarkeiten, die er in der Stadtkasse hatte. Im Weigerungsfalle sollte der Schultheiß als Geisel mitgeschleppt werden und die Stadt geplündert werden. Am ganzen Körper vor Angst zitternd, erklärte der Schultheiß den schwedischen Abgesandten, daß die Stadtkasse leer sei. Um sich nun aus dieser ziemlichen Lage zu befreien, erklärte er, daß einer der versammelten Schöffen reiche Schätze an Gold und Silber besäße. Trotz der heftigen Einwendungen wurde der schuldlose Schöffe gefesselt und an ein Pferd gebunden. Dann verließ der Reitertrupp die Stadt. Anfangs konnte der Gefangene mitkommen. Dann erlahmten seine Kräfte, und auf der Bademer Höhe zogen die Schweden bereits die übel zugerichtete, unkenntlich gewordene Leiche des Schöffen nach sich. Als sie dies wahrnahmen, schnitten sie den Strick ab und ließen die Leiche liegen. Mitleidige Bauern, die den Toten fanden, begruben ihn am Straßenrand. Heute bezeichnet ein Kreuz die Stelle.

 

Wie eindrucksvoll ist doch jenes Paterskreuz, das die einfache Inschrift trägt:

„P·N·H·ME·FIERI·FECIT·A° 1590“

Mahnend steht es am sanften Hang von uralten Linden umrahmt; das alte Paterskreuz, wie es der Volksmund nennt. Schwierig ist es, etwas über dieses schlichte Steinkreuz, das fast drei Meter hoch aus einem Block gehauen ist, zu erfahren. Die Bauern, die ihre Äcker in der Gegend desselben haben, erzählen, daß ein Pater das Kreuz aus den nahen Orte St. Thomas, ob der Buße oder zur Erfüllung eines Gelübdes oder wegen eines sonstigen frommen Grundes, den Berg hinauf geschleppt habe, konnte ich leider nicht feststellen.

Das Kreuz an der Etteldorfer Höhe und die Kreuze an der Wilsecker Linde, von denen mir weder eine Inschrift noch eine Bedeutung bekannt ist, grüßen über das Kylltal hinüber die Stiftskirche und das Kreuzgärtchen.

 

Auf der Flur zwischen Kyllburgweiler und Seinsfeld trifft der aufmerksame Wanderer eine große Zahl Kreuze an. Sieben von ihnen werden zu den sogenannten „Siewenkreizer“ zusammengefaßt. Dieselben „Siewenkreizer“ findet man außer in Kyllburgweiler in St. Thomas, Malberg und Seinsfeld. Ist jemand aus dem Dorf schwer erkrankt, so gehen die Schulkinder an dieselben um Linderung der Krankheit beten. Zwei der „Siewenkreizer“ will ich aufführen: das „Rote Kreuz“ an der Dikt und ein Kreuz an der unteren Dikt einem Walde von Kyllburgweiler. Dieses ist gut erhalten, da es im Jahr 1910 renoviert worden ist.

Die Inschrift in altdeutscher Sprache lautet:
„ANNO 1634 SCHELEN JACOB VON WEILER UND SEIN HAVSFREW HAN DAS CREVTZ GOT ZV ERE OFRICHTEN LASEN“

 

Das „Rote Kreuz“ fordert uns auf, stehen zu bleiben und für den hier vom Tode ereilten Pastor Erasmi von Seinsfeld zu beten.

„VIATOR STA ET ORA ECCE SANUSAPOPLEXIA TACTUS HIC OBIIT A·R·D JACOB ERASMI PASTOR IN SENSFELT 24. JANUARY 1743 C·AR·I·P·A“

 

Wie oft findet man Kreuze am Waldrand oder auch tief im Gebüsch. so stieß ich vor einigen Tagen bei einem Spaziergang durch den Schloßwald von Malberg auf ein altes verstümmeltes Kreuz, das, dank der geschützten Lage, die noch wohl leserliche Inschrift trägt:

„1633 HAT LASE DIS CRVTZ GOTT ZV EHRE ERBA PETER SCHMAL SEI HF GEIRTRVD ZV MALBVRG“

 

Oberhalb der Wilsecker Kirche findet man ein Kreuz, das auch den Namen seines Errichters trägt:

„1696 DISZ CREVTZ HATT AUFGERICHT PETER AETELDORF“

 

Auf dem Bann von St. Thomas sind zahlreiche Kreuze anzutreffen.

Gegenüber dem Bahnhof grüßt mich als erstes ein kleines Kreuz mit der selben Inschrift wie das Paterskreuz. Als Jahreszahl ist auf demselben „A° 1590“ angegeben.

Das Kreuz, das wohl mit der Geschichte des Klosters Himmerod zusammenhängt, steht oberhalb des Forsthauses St. Thomas.

An der Säule des Kreuzes lese ich:

„1626 E·PETRUS·MEYSZ·PRIOR·IN·HIMMENRODT“

 

Von einem Berge bei St. Thomas winken schon von weitem zwei alte Kreuze. Das älteste der beiden ist 1900 renoviert worden und trägt die Jahreszahl 1502. Darüber stehen die Worte: „Johannes Paule“.

Das zweite Kreuz wird von einer Inschrift geschmückt in der der Name des Erbauers genannt wird:

„DISIS CREVZ HAT AVF RICHEN LASEN DER ERSAME HILARIVS SCHWICKRAT VND SEIEN HVS FRAV MARGARETA ZV EHREN DES BITTER LIDEN VND STERBEN CHRISTE AN° 1756 VON SANT THOMAS“

 

Wenn auch die alten Wegekreuze auf wissenschaftlichem Gebiet nicht von großer Bedeutung sind, so sind sie doch für den Kulturhistoriker Denkmale echter religiöser Volkskunst, anschauliche Bilder von der tiefreligiösen Gesinnung unserer Vorfahren. Unsere Aufgabe ist es nun diese Denkmale zu erhalten und dafür zu sorgen, daß sie nichts an ihrer Bedeutung einbüßen.

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