Kirche

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Kyllburg

In Kyllburg bestand eine jüdische Gemeinde nur wenige Jahrzehnte von etwa 1910 bis 1938. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben sich durch Zuzug aus Landgemeinden jüdische Personen beziehungsweise Familien in der Stadt niedergelassen (die beiden Familien Hermann und Isaac Nußbaum dürften in Kyllburg die ersten gewesen sein). Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch die in Malberg, Mürlenbach, Oberkail und Speicher lebenden jüdischen Personen / Familien.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: in Kyllburg 1895 13 jüdische Einwohner, 1905 22 (von insgesamt 1.129).

1912 gehörten zur jüdischen Gemeinde die folgenden Familienvorsteher (alle mit der Berufsbezeichnung „Handelsmann“): Josef Simon, Issak Nußbaum, Jakob Nußbaum (in Malberg), Hermann Nußbaum, Isaak Nußbaum (in Malberg), Adolf Fränkel, Moritz Fränkel (in Mürlenbach), Simon Ermann, Lion Ermann (in Oberkail), Adolf Ermann (in Oberkail), David Ermann (in Speicher).

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), ein Raum für den Unterricht der jüdischen Kinder und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war vermutlich zu keiner Zeit ein eigener Lehrer angestellt. Der Unterricht der Kinder wurde durch auswärtige Lehrer erteilt, 1932 durch den Lehrer aus Bitburg (s.u.).

Um 1924, als zur Gemeinde 30 jüdische Personen in Kyllburg gehörten (2,5 % von insgesamt etwa 1.200 Einwohnern), dazu insgesamt 36 in den Orten Malberg, Mürlenbach, Oberkail und Speicher, waren die Vorsteher der Gemeinde Adolf Fränkel, A. Duplon und J. Fränkel. 1932 waren die Gemeindevorsteher Hermann Nußbaum (1. Vors.), Joseph Nußbaum (2. Vors.). Als Religionslehrer der jüdischen Kinder kam Lehrer David Mandel aus Bitburg regelmäßig nach Kyllburg. Im Schuljahr 1931/32 erteilte er 8 Kindern der Gemeinde den Religionsunterricht.

1933 wurden 54 jüdische Einwohner in Kyllburg gezählt. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.).

Von den in Kyllburg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des „Gedenkbuches – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“): Paula R. Ermann geb. Kallmann (1884), Margot Fränkel (1923), Klementine Klaber geb. Nussbaum (1883), Eva Levy (1887), Adelheid (Adele) Nussbaum (1863 oder 1868), Henri Nussbaum (1903), Hermann Nussbaum (1866 oder 1868), Johanna Nussbaum (1884), Sara Nussbaum geb. Levy (1883), Simon Nussbaum (1887), Berta Stern geb. Nussbaum (1890).
Aus Malberg sind umgekommen: Lina Koppel geb. Nussbaum (1896), Leon Nussbaum (1897).
Aus Speicher sind umgekommen: Rudolf Berg (1925), Walter Berg (1923), Sanny Lichtenstädter geb. Salomon (1898), Amalie Marcus geb. Abraham (1872), Simon Salomon (1873).
Aus Oberkail und Mürlenbach werden in den genannten Listen keine Personen genannt.

Quelle:

  • Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): „…und dies ist die Pforte des Himmels“. Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 224 (mit weiteren Literaturangaben).
  • Willi Körtels: Die jüdische Schule in der Region Trier. Hrsg. Förderverein Synagoge Könen e.V. 2011. Online zugänglich (pdf-Datei).

1 Kommentar

  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bin dabei ein Buch zu schreiben über jüdische Persönlichkeiten der Region Trier. Meine Frage: gibt es in Kyllburg Erkenntnisse über eine bedeutende jüdische Persönlichkeit ?

    Mit freundlichen Grüßen

    Willi Körtels
    Ernst-Hartmann-Straße 17
    54329 Konz
    Tel.: 06501-15774

Einen Kommentar verfassen

captcha

Please enter the CAPTCHA text