Heimatkalender

Zur Geologie und Landschaft von Kyllburg

Heimatkalender 1963 | S.75-80 | Von Amtsbürgermeister a.D. Karl Föst

Die Landschaft, in der die Stadt Kyllburg und ihre Umgebung eingebettet liegen, ist die Eifel, der man heute das Gebiet zwischen der Mosel, dem Rheine, der Kölner Bucht und der deutschen Grenze im Westen zuweist. Geologisch bildet die Eifel einen Teil des Rheinischen Schiefergebirges; sie zunächst einer knappen erdgeschichtlichen Charakterisierung unterziehen, erscheint für die Betrachtung des Kyllburger Raumes unerläßlich.

Die Geologen haben zur besseren und bequemeren Verständigung die erdgeschichtliche Entwicklung in einzelne nach Jahrmillionen relativer Zeitbestimmung zählende, uns unvorstellbare Zeiträume, in Zeitalter, Formationen (Perioden) und Stufen (Epochen) gegliedert und unterscheiden nach der vorausgegangenen Erdurzeit: das Erdaltertum (Formationen: Kambrium, Silur, Devon, Karbon, Perm); das Erdmittelalter (Trias, Jura, Kreide) und die Erdneuzeit (Tertiär, Quartär).

Die historische Geologie beginnt erst von der Zeit an, als sich auf der Erde die ersten Gesteine bildeten; man schätzt heute, daß die Formationen meist je rund 30 bis 60 Millionen Jahre dauerten, und daß die ältesten Gesteine mindestens zwei Milliarden Jahre alt sind. Die vorausgegangene „vorgeologische“ Zeit (die Erdurzeit) liegt im Dunkel. Die älteste Formation, welche durch die erste Erstarrungskruste der Erde gebildet sein muß, kennen wir nicht. Gewaltige Entwicklungsprozesse, Naturereignisse und Evolutionen innerhalb der Erdkruste müssen vor sich gegangen sein, bevor sich im Altertum der Erdgeschichte allmählich die Züge des werdenden Erdbildes herausschälten. Die Eifel war während eines Teiles des Erdaltertums ein Meer, welches die Gesteinsschichten ablagerte, die wir als Formation des Kambriums bezeichnen, einer in geotektonischer Hinsicht verhältnismäßig ruhigen Periode, in der nachfolgenden Silurzeit wurde sie aus dem Meeresboden emporgehoben, um in der nächsten Periode wieder vom Meere begraben zu werden.

Von besonderer Bedeutung für das Werden des Eifellandes waren die Gesteinsmassen des Devons, die sich schätzungsweise 350 bis 310 Millionen Jahre vor der Jetztzeit bildeten. In dieser Zeit lag das Gebiet der Eifel unter Bedeckung des sich weithin über fast ganz Europa erstreckenden Devonmeeres, dessen Boden infolge tektonischer Bewegungen schwankte, sich bald hob, bald senkte. Auf dem Boden des Meeres setzten sich die devonischen Gesteinsschichten ab, die sich im Unterdevon aus Grauwacke, Quarzit, Schiefer und Sandstein bildeten und eine Mächtigkeit (Dicke) von mehreren tausend Metern erreichten. Schließlich verflachte das Devonmeer und der Boden hob sich.

Gegen Ende des Erdaltertums, am Ausgang der auf das Devon folgenden Karbon- (Steinkohlen-) Periode, deren Ablagerungen sich nur am Nordrand der Eifel vorfinden, wurden die überwiegend devonischen Gesteinsmassen zu einem gewaltigen hochalpinen Kettengebirge zusammengefaltet, das der Geologe das variszische Gebirge nennt. Doch dieses Hochgebirge war — gemessen an geologischen Zeitbegriffen — nicht von langer Dauer. Schon bald begann seine Abtragung;

Verwitterung und Erosion schleiften es ab, Bäche und Flüsse schnitten sich in das Gebirge ein, zernagten es und führten die gelösten Gesteine in Senken und Meere. Es blieb aber ein Rumpfgebirge, der aus devonischen Schiefem und Grauwacken aufgebaute Grundstock des Rheinischen Schiefergebirges, das Grundgebirge auch unserer Eifel.

Devongestein bildet so zum weitaus größten Teil den heute sichtbaren Boden der Eifel, doch haben dem Devon folgende Formationen — aufgebaut aus den Zerstörungsprodukten des alten Gebirges — und erdgeschichtliche Vorgänge, die vulkanischen und andere, den devonischen Gebirgsstock der Eifel in erheblichem Maße überdeckt, so daß sich Landschaften verschiedenartigen Gepräges herausbildeten, die das Landschaftsbild der Eifel so abwechslungsreich und fesselnd gestalteten. Es würde aber im Rahmen unserer Betrachtung zu weit führen, den verschiedenen Bildungen der jüngeren geologischen Formationen hier nachzugehen. Wir müssen uns darauf beschränken, lediglich den Kyllburger Raum erdgeschichtlich näher zu betrachten, den das Landschaftsschutzgebiet um Kyllburg und darüber hinaus die Gemarkungen des Amtsbezirks Kyllburg bilden.

Gegen Ende des Erdaltertums beginnt sich das Gebirge zu senken. Besonders im Süden der Eifel hatte sich das Devon muldenartig eingesenkt; es entstand die sogenannte Trierer Bucht, die weiterhin durch jüngere Erdbewegungen noch stärker ausgeformt worden ist und den Hunsrück von der Eifel trennt. Sie stößt über die Kyll weit in das Eifeldevon bis nahe an die Salm bei Eisenschmitt heran. In sie hinein schiebt nun zu Beginn des Erdmittelalters, nach Schätzung der Geologen etwa vor 200 bis 170 Millionen Jahren, die Trias ihr Schichtgestein und bedeckt so auch den Kyllburger Raum, dem damit gewissermaßen seine Geburtsstunde schlägt. Ihre klare Gliederung in Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper hat der Trias, die zeitlich vor der Entstehung der Vulkaneifel liegt, den Namen gegeben. Diese drei Schichten, die in der Trierer Bucht bis hinauf in unseren Raum das Devongebirge unter sich begraben haben, sind in aufeinanderfolgenden Stufen übereinander abgelagert worden, auch wo sie jetzt scheinbar nebeneinander liegen; tektonische Bewegungen bewirkten mancherlei Änderung in der Lagerung der geologischen Schichtung.

Die erste Stufe der Trias ist der Buntsandstein, ihm folgt der Einbruch des Muschelkalkmeeres und sein Zurückebben im Keuper, der im Gegensatz zum Sandstein und Muschelkalk nicht zu Gestein erstarrte. Steil steigt bei Trier der rote Sandsteinfels zu einer Hochflächenbildung empor. Von Ehrang aus setzt sich der Sandstein an der Kyll bis Philippsheim fort, wird von jüngeren Schichten der Trias überlagert, die zwischen Erdorf und Hüttingen (etwa 8 km) so tief eingesunken sind, daß der Muschelkalk in der Talsohle liegt. Dann zeigt sich der Buntsandstein wieder von Erdorf bis St. Thomas, wo das Unterdevon zu selten der Kyll in der Talsohle beginnt und gegen Norden in die Höhe steigt, während der Buntsandstein sich noch bis auf die Höhen bei Weißenseifen und des Salmer Forstes hinziehen.

In unserem Räume herrscht, wie die hierzu gefertigte Übersichtskarte deutlich erkennen läßt, der Obere Buntsandstein vor. Der Untere Buntsandstein fehlt in der Eifel, der Mittlere lagert unmittelbar auf den Devonschichten und führt devonische Blöcke in den Konglomeraten. Entstanden ist der Sandstein in unmeßbar langen Zeiträumen aus Verwitterung und Abtragung des gewaltigen, schon erwähnten variszischen Kettengebirges. Felsen und Geröll wurden völlig zu Sand zersetzt, der sich, durch Roteisen rötlich gefärbt und durch große Stürme herangeführt, in außerordentlich gleichmäßiger Ablagerung dünenartig aufschichtete. Die Sandkörner wurden teils durch Ton zu weichen, teils durch Kieselsäure zu hartem roten Sandstein verkittet und geschichtet. Nach heutiger Auffassung der Geologen sind die Schichten des Buntsandsteins Festlandsbildungen, entstanden in einer Zeit großer Wüsten und in einem wüstenähnlichen Klima; früher betrachtete man sie als Strandbildungen. Jedenfalls formten sich Buntsandsteinschichten von starker Mächtigkeit. Bei Trier findet sich der Buntsandstein in einer Mächtigkeit von nahezu 300 m, hier im allgemeinen aus roten bisweilen auch gelben und violetten Schichten. Im Kyllburger Raum ist er nicht mehr so mächtig ausgebildet. Als im Jahre 1955 in der Talaue zwischen Kyllburg und Malberg ein Tiefbrunnen zur Verbesserung der Wasserversorgung beider Orte angelegt wurde, erreichte die Bohrung durch den Buntsandstein eine Tiefe von 70 m, ohne auf devonischen Schiefer zu stoßen. Der Buntsandstein hat also hier unter der Talsohle eine Mächtigkeit von mehr als 70 m.

Allseits der Kyll folgt im Kyllburger Raum auf den Buntsandstein der Muschelkalk, dessen Verwitterungsböden im allgemeinen die Vegetation und landwirtschaftliche Entwicklung mehr begünstigen, als die der kalkärmeren Sandböden.

Ganz jedoch oder doch zu ihren wesentlichen Teilen liegen im Sandsteingebiet die Gemarkungen Kyllburg, Kyllburgweiler, Etteldorf, Malberg, Malbergweich, Neidenbach, St. Thomas und Usch. Einzelne dieser Bezirke besitzen aber auch Muschelkalkflächen, so Etteldorf gegen Wilsecker, Kyllburg gegen Wilsecker und Orsfeld, Kyllburgweiler gegen Orsfeld und Seinsfeld. Es handelt sich hier um unteren Muschelkalk und tonige Schichten des mittleren Muschelkalkes, welch gleiche Muschelkalklandschaft auch Bann Malbergweich gegen Sefferweich und Fließem zeigt.

Will man einmal auf der linken Kyllseite den Übergang vom Buntsandstein zum Muschelkalk — die Trennungslinie gewissermaßen zwischen rotem und weißem Boden — näher verfolgen, so braucht man nur den Spuren der sogenannten „Langmauer“, auch „Landmauer“ genannt, nachzugehen, die ehemals in spätrömischer Zeit mit einer Gesamtlänge von 73 Kilometer einen Raum von 220 Quadratkilometer von Aach bei Trier bis in die Nähe von Oberkail im wesentlichen eine geschlossene Kalk-Keuper-Landschaft umspannte, aber die Sandsteinflächen von Kyllburg und Kyllburgweiler aussparte. Auf den Flurkarten von Wilsecker und Kyllburgweiler finden wir noch die Flurbezeichnungen „Ober der Landmauer“ und „Hinter der Landmauer“. Da die Wilsecker- im Gegensatz Kyllburgweiler-Gemarkung noch nicht zusammengelegt ist, läßt sich auf der Wilsecker Flur der Verlauf der Langmauer mit Hilfe einer Flurkarte aus dem Jahre 1890 sehr gut und weit besser verfolgen als auf Bann Kyllburgweiler.

Der Keuper, die dritte Stufe oder oberste Abteilung der Trias, kommt in unserem Raume nicht vor. Auch von jüngeren Formationen finden wir keine Ablagerungen oder doch nur solche von untergeordneter Bedeutung.

Devon und Trias haben im Erdaltertum und Erdmittelalter den Aufbau des Kyllburger Raumes geschaffen; über den steil aufgerichteten Schichten des Unterdevons lagerte die Trias waagerecht wie eine Decke den roten Sandstein und den Muschelkalk ab. Das heutige Relief der Landschaft aber schuf erst das formende Wirken der Erdneuzeit in vielen Jahrmillionen. Die der Trias nachfolgende Zeit, Jura und Kreidezeit, das ältere Tertiär haben in unserem Raume keine Spuren hinterlassen. Wahrscheinlich war damals die Eifel Festland, dessen Oberfläche zum großen Teil flachwellig war, eine Fastebene. Einförmig mag zunächst diese Landschaft ausgesehen haben, bis mannigfaltige Störungen und Bildungen, Erdbewegungen und durch das Klima bewirkte Gesteinszersetzungen sie umgestalteten und veränderten. Nicht zuletzt waren es flußgeschichtliche Vorgänge, die immer wirksamen Kräfte des fließenden Wassers. Es bildeten sich Rinnsale, Bäche und Flüsse, die sich zunächst nur träge fortbewegt haben mögen, die aber durch eine erneute Heraushebung des alten Gebirgsstocks ein stärkeres Gefälle bekamen, sich immer tiefer in ihre Unterlage einschnitten und so nach und nach romantische Täler erstehen ließen und diese oft durch viele Krümmungen noch besonders reizend und bezaubernd gestalteten.

Eines der schönsten und eigenartigsten Täler der Eifel ist das Kylltal, das im Kyllburger Raume von St. Thomas über Kyllburg und Malberg noch besonders anziehend wirkt. Hier ist die Landschaft so reizvoll und schön, daß man das Tal und seine meist steilen Hänge mit ihren herrlichen Wäldern im Bereiche der Gemeinden St. Thomas, Kyllburg, Kyllburgweiler, Wilsecker, Etteldorf und Fließem zum Landschaftsschutzgebiet erklärte. Triasgestein und die erodierende Tätigkeit der Kyll gaben dieser Landschaft ihr Gepräge und ihren Charakter. Die farbenfroh mit Buchen, Eichen und Fichten bewaldeten Hänge und Höhen, der rotleuchtende Sandstein und seine oft harten Felsen, die den Fluß zu mäandrischen Windungen zwingen oder an der Stirn der Gehänge hervortreten, bieten dem Auge ein Bild unvergleichlicher Eigenart und Schönheit. Die Kyll ist ein kleiner, klarer Fluß, von den Römern Gelbis genannt, der sich aus verschiedenen Bächen des Losheimer Waldes auf der Hauptwasserscheide der Eifel bildet und mit 126 km als längster Fluß der Eifel bis zu seiner Mündung in die Mosel bei Ehrang zahlreiche Zuflüsse erhält. In langen Zeiträumen hat sich die Kyll vermöge ihrer zerstörenden, erodierenden Tätigkeit immer tiefer in das Gestein eingegraben und es abgetragen. Von Norden her hat sie einen fast südlichen Lauf, von St. Thomas ab tritt sie in die Triasmulde und beginnt oberhalb von Kyllburg, gezwungen durch Verwertungen, d. h. Lagerungsstörungen und Brüche, eine Talmäanderstrecke, die bis zu 1 km nördlich Erdorf reicht und ganz in Buntsandstein liegt. Südlich Kyllburg und Malberg umschließt der größte Mäander die Malbergerhöhe (den Taubenberg) in einer Länge von 8—9 km. Seine stärkste Entwicklung hat er in einer 2,3 km langen, talengen Schleife, die den Kyllburger Stiftsberg umfließt. Hartes Gestein. Wind und Wetter und vor allem die Wassererosion schufen und formten diesen, wie auf einer Insel fußenden Berg. Seine ganze Geländegestaltung spricht dafür, daß er schon in der Frühzeit der Menschen der näheren und weiteren Umgebung von Bedeutung war und ihnen in Zeiten kriegerischer Gefahr als Zufluchtsort, als sogenannte Flieh- oder Wallburg, diente. Zu ihm hebt sich heute aus dem Tale bis zur Höhe von 361 m allmählich ansteigend, mit seinem größeren Siedlungsteile das malerische, stufenweise gebaute Städtchen Kyllburg empor, über sich auf der Höhe des Berges die edelgestaltete, gotische Stiftskirche und den alten hochragenden Burgturm, zwei ehrwürdige Kulturdenkmale aus vergangenen Zeiten. Hier hat der Schöpfer, der alles schuf, ein Fleckchen Erde von seltener und eigener Art entstehen lassen, das der Beschauer immer wieder liebend betrachtet, eingefangen von dem Zauber seiner Schönheit und der Gesetzmäßigkeit aller Gestaltung, mag er nun von der Wilsecker Linde oder vom Annenberg her, wo der Blick sich noch weitet auf das malerische Malberg, oder von irgendeinem anderen Standpunkte aus das Landschaftsbild bewundem. Manch einer wird bisweilen besinnlich und verträumt in die Wunder und Werke Gottes herrlicher Schöpfung geschaut und dabei über die Geschichte und Geschicke seiner Bewohner und über das Wirken der gestaltenden Kräfte unserer Erde, die in Jahrmillionen das Antlitz unseres Raumes geformt haben, nachgedacht und das Verlangen verspürt haben, sie kennenzulernen. Ihm und jedem Natur- und Heimatliebenden der dieses Wirken, die Erscheinungen und Formen in unserem Landschaftsbild in ihrem Werden und Entstehen zu erkennen sucht, mag vorstehende Betrachtung einen gewissen Anhalt bieten, wenn diese hier auch nur in einfacher und gedrängter Form angestellt werden konnte.

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