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Vom Kirschenfest zum rufenden Berg

Jedes Jahr, am ersten Juliwochenende, wird in Kyllburg seit jeher tüchtig die Kirmes gefeiert. Die Kirmes, verkürzt zusammengesetzt aus Kirchweihe und Messe, wird seit dem Mittelalter als Fest anlässlich der jährlichen Wiederkehr des Tages der Kirchweihe eines Kirchengebäudes gefeiert. Wenn der Tag der Kirchweihe nicht bekannt war, wurde der Gedenktag des Patrons der jeweiligen Kirche genommen und ein sogenanntes Patronatsfest gefeiert. Der Tag der Kirchweihe, bzw. Patronats, hat in der jeweiligen Kirche den Rang eines Hochfests.

Jedoch passt das Kyllburger Kirmesdatum Anfang Juli zu keinem, mit den Kyllburger Kirchen überlieferten Datum. Die Stiftskirche wurde am 8. Mai 1276 geweiht, die neue Maximinkirche am 12. September 1954. Von der alten Maximinkirche ist kein Weihedatum überliefert. Bliebe noch die Vermutung, dass es sich um ein Patronatsfest handeln könnte. Der Gedenktag des hl. Maximins von Trier ist der 29. Mai und Mariä Himmelfahrt am 15. August. Selbst wenn man diverse Kalenderverschiebungen berücksichtigt, gelangt man niemals auf einen Termin Anfang Juli.

Eine Erklärung könnte folgendes bieten. Unabhängig vom konkreten Gedenktag einer bestimmten Kirche wird mancherorts auch ein allgemeines Kirchweihfest gefeiert, „Allerweltskirchweih“, das zumeist als Jahrmarkt stattfindet und ebenfalls Kirmes genannt wird.

So liegt die Vermutung nahe, dass die Kyllburger Kirmes ihren Ursprung nicht aus einer kirchlichen Tradition heraus hat, sondern von jeher weltlichen Charakter besitzt.

Und so kommen die Kirschen ins Kirschenfest

Schon 19. Jahrhundert nannte man die Kirmes in Kyllburg „Kirschenfest“. Auch, wenn man es heute nicht mehr erahnen kann, so war Kyllburg bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein bedeutender Anbauplatz für Kirschen. Der Stiftsberg stand regelrecht voll mit Kirschbäumen und auch im Annenberg und Meiselter reihte sich damals ein Baum an den anderen. Doch mit Beginn des Hopfenanbaus verschwanden nach und nach die alten Kirschbäume und machten Platz für den Eifelspargel, wie man die meterlangen Hopfenstangen nannte.

Da die Reifezeit der Kirschen Ende Juni, Anfang Juli ist und zufälligerweise dann gerade Kirmes gefeiert wird, erhielt die Kyllburger Kirmes irgendwann den Namen „Kirschenfest“. Lange wurde vermutet, dass es eigentlich „Kirchenfest“ (das Fest der Kirche) heißen müsste, aber diese These ist widerlegt.

Der langsame Niedergang

Bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde das „Kirschenfest“ groß gefeiert; mit Kirmesbuden und Festzelt auf dem Marktplatz. Doch stetig steigende Kosten bei immer rarer werdendem Publikum, mangelndes Engagement bei den ausrichtenden Vereinen und generell sinkendes Interesse an örtlichen Veranstaltungen, ließen die komplette Kirmes langsam zu einem Bierstand auf der Hochstraße zusammenschrumpfen.

Für viele war die komplette Anschaffung der Kirmes, die schon lange nicht mehr „Kirschenfest“ hieß, nur eine Frage der Zeit. Man unternahm noch einen Versuch zur Rettung der Kirmes, indem man In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Vereinsgemeinschaft gründete. Neben der besseren Koordination der Kyllburger Termine sollte sie die Kirmes neues Leben einhauchen. Die Kirmes wurde wieder etwas größer aufgezogen, mal auf der Hochstraße, mal am Güterbahnhof. Doch die ersehnte, langfristige Besserung trat nicht ein und die Kirmes war blieb eine Pflicht-, als eine Spaßveranstaltung. Die Vereinsgemeinschaft zerbrach und die Kirmes stand wieder auf der Kippe.

Die Kirmes heute

Bis sich im Jahre 2007 alle Kyllburger Vereine erneut zusammen rauften und unter dem Namen „Kyllburg Verein(T) e.V.“ eine ordentliche Vereinsgemeinschaft gründeten. Ihr Zweck war in erster Linie die Ausrichtung der Kirmes. Darüber hinaus, die Unterstützung des Kyllburger Vereinsleben aus den Erlösen der Kirmes. Mit Helmut Schwickerath fand man zudem einen ersten Vorsitzenden, der nicht aus den Reihen des eingefahrenen Kyllburger Vereinsapparats stammte. Durch seine Unabhängigkeit und den ungefärbten Blick auf die ganze Sache, war er in der Lage die Kirmes vom Staub der Jahrhunderte zu befreien und das Konzept komplett zu überarbeiten.

Ein neuer Veranstaltungsort war bald gefunden. Die Wiese vor der Stiftskirche war auserkoren, dem „Sommerfest der Kyllburger Vereine“ einen würdigen Rahmen zu verleihen. Da die Veranstaltung nun auf dem Stiftsberg war, lautete der Schlachtruf von nun an „Der Berg ruft!“; und der Berg rief und alle kamen. Aus dem Motto ist nun im Laufe der ersten 9 Jahre ein echtes Markenzeichen geworden, das auch über die Grenzen von Kyllburg hinaus einen gewissen Bekanntheitsgrad hat.

Wer sich einen Einduck von der Kyllburger Kirmes verschaffen möchte, der sollte einen Blick in unser Fotoarchiv werfen. Dort gibt es Fotos von „Der Berg ruft! 2016“.

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