Chronik 1200 Jahre Kyllburg

Machtergreifung

Ergebnis der Wahlen zum Preußischen Landtag 1932 in Kyllburg

Abgegebene Stimmen SPD DVP PrZP KPD NSDAP
731 = 81 % 26 106 293 5 155

Nicht angegeben sind ungültige und auf Splitterparteien entfallene Stimmen

  • SPD = Sozialdemokratische Partei Deutschlands
  • DVP = Deutschnationale Volkspartei
  • PrZP = Preußische Zentrumspartei
  • KPD = Kommunistische Partei Deutschlands
  • NSDAP = Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei

Das Dreiklassenwahlrecht

Das sogenannte Dreiklassenwahlrecht war das Wahlrecht des preußischen Abgeordnetenhauses. Es galt von 1849 bis 1918. Die Wähler wurden in drei Klassen oder Abteilungen geteilt, je nach den von ihnen aufgebrachten Steuern. Jede Abteilung entsprach einem Drittel des gesamten Steueraufkommens. Die wenigen Höchstbesteuerten wählten dadurch genausoviele Vertreter wie die größere Zahl des Mittelstandes und die große Zahl der gering Besteuerten.

Dieses Wahlsystem wurde Jahrzehnte heftig bekämpft. Seine Beseitigung wurde durch Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1917 in Aussicht gestellt, im Oktober 1918 vom Abgeordnetenhaus beschlossen, aber erst durch die Novemberrevolution 1918 herbeigeführt.

Erst 1927 wurde die Stellung des Gemeindevorstehers selbständiger. Er war nun Gemeindevorstand. Bis dahin war es der (Amts-) Bürgermeister. Nun berief der Gemeindevorsteher die Gemeindevertretung ein und führte den Vorsitz mit Stimmrecht.

Machtergreifung und Gleichschaltung

1933 begann mit der Übernahme der Regierung durch Hitler die Diktatur. Das neue Regime erließ am 8. Februar 1933 eine Verordnung, durch die alle kommunalen Vertretungskörperschaften aufgelöst wurden. Hierdurch sollten dem neuen Regime nicht genehme Mitglieder der Gemeinderäte ausgeschlossen und durch solche ersetzt werden, die das nationalsozialistische System bejahten.

Die Vereinheitlichung des öffentlichen Lebens nach den Vorstellungen der Nationalsozialisten setzte ein. Es wurde „gleichgeschaltet.“ Die meisten Kreistagsmitglieder legten freiwillig oder gedrängt ihre gewählten Ämter nieder, statt dessen rückten Parteimitglieder nach. Unliebsame Bürgermeister oder Ortsvorsteher wurden beurlaubt oder ihres Amtes enthoben. Schon kurze Zeit nach der Machtergreifung hieß es zu diesem Thema in der Bitburger Zeitung am 18. März 1933:

Beurlaubungen
Die Kreisleitung der NSDAP teilt mit, daß außer den Beurlaubungen der Bürgermeister Wilky (Bickendorf), Baur (Kyllburg), der Landjäger Bauer (Dudeldorf), Kröll (Bickendorf) und des Leiters der AOK Bitburg, Kraemer, weitere Ermittlungen eingeleitet sind. Es ist mit weiteren Beurlaubungen in den nächsten Tagen zu rechnen.

Die Diktatur brachte in der staatlichen Verwaltung das sogenannte „Führerprinzip“, d.h., es wurde nicht mehr abgestimmt über eine anstehende Frage, sondern der Vorsitzende beschloß und entschied „nach Anhören des Rates“ völlig selbständig. Dieser Grundsatz wurde auch in der Gemeindeverwaltung eingeführt und anschließend in der „Deutschen Gemeinde-Ordnung“ 1935 gesetzlich verankert. Der Gemeindevorsteher nannte sich nun „Gemeindeschulze.“ Er war mit unbeschränkter Entscheidungsgewalt ausgestattet, ohne Kontrolle durch den Rat.

Wer noch nicht gemerkt hatte, wohin der Wagen lief, dem gingen in den nächsten Jahren die Augen auf. Die Reichskristallnacht hinterließ auch in Kyllburg ihre Spuren.

Ein Tag nach der Kristallnacht, am 9. November 1938, ging die Kyllburger Synagoge in Flammen auf.

Viele Kyllburger Juden hatten rechtzeitig Deutschland verlassen, die Zurückgebliebenen mußten den verhängnisvollen Weg ohne Rückkehr in die Vernichtungslager antreten.

Parteiparade auf der Hochstraße 1936

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