Chronik 1200 Jahre Kyllburg

Kyllburg in der Zeit der Franken (450 bis 900)

Chronik 1200 Jahre Kyllburg 800-2000 S.13-15

Folgen der Völkerwanderung

Im Zuge einer einsetzenden Völkerwanderung begann das Ende des weströmischen Reiches. Um 400 verließ das Gros des römischen Heeres unser Gebiet, um Italien und Rom vor der Bedrohung durch die Westgoten zu schützen. Dabei nahm man Landverluste im Norden in Kauf, zumal hier Grenzkriege und Aufstände stärkere Truppenkontingente binden würden, dies wäre jedoch von der römischen Staatskasse kaum oder garnicht zu finanzieren gewesen. Mit dem Rückzug der Truppen verließen auch die meisten gallo-romanischen Bewohner die römischen Provinzen

Im Jahre 406 n. Chr. überquerten Germanen (nicht wie in den Jahrzehnten vorher in kleinen Gruppen, sondern als Zusammenschluss mehrerer Stämme) den Rhein.

Einige dieser germanischen Gruppen gaben sich den gemeinsamen Namen Franken, was die Freien oder die Kühnen bedeutet, blieben aber in Kleinkönigtümer gespalten. Aus diesem lockeren Zusammenschluss bildeten sich mit der Zeit zwei Stammesteile, die zunächst keinen eigenen Namen trugen. Später bezeichnete man die von der Rheinmündung bis an den Ärmelkanal vorgedrungene Gruppe, als Salier, während die das Rhein-Mosel-Gebiet besiedelnden Franken Ripuarier genannt wurden

Die Landnahme der Franken in unserem Gebiet war um 450 im wesentlichen abgeschlossen. Viele Ortsnamen mit den Endungen -heim oder -ingen erinnern daran

Um größere Verluste zu vermeiden, ließen die Franken größere Städte zunächst unangetastet. So kam es, daß sich Trier noch Jahrzehnte bis ins Jahr 475 halten konnte. In dieser Zeit (420 n. Chr.) baute die Christengemeinde Triers eine frühere Gerichtshalle zu einer Kirche um. So entstand die älteste Anlage des Trierer Domes. Da man unter den Mitgliedern dieser Gemeinde keine Kelten oder Germanen feststellen kann, – es war eine rein lateinisch sprechende Gemeinschaft -, ist es verständlich, daß in unserem ländlichen Gebiet das Christentum noch nicht verbreitet war

Durch eine Reihe blutiger Feldzüge und rücksichtsloser Gewalttaten legte Chlodwig (482-511) aus der regierenden Frankendynastie der Merowinger die Fundamente des fränkischen Staates.

Chlodwigs Übertritt zum Katholizismus, vermutlich um 507, war von großer geschichtlicher Bedeutung, denn er war der erste unter den Barbarenherrschern, der die Religion des römischen Kaiserreichs annahm.

Die Franken wurden so in der Folgezeit zu den Trägern der christlich-abendländischen Kultur.

Man kann annehmen, dass die Bewohner der Eifel zwischen 600 und 700 Christen wurden. Trotz der Christianisierung haben sich noch viele Sitten und Gebräuche des germanischen Götterglaubens über viele Jahrhunderte in der Bevölkerung unserer Heimat gehalten. Manches erklärte die Kirche für verhängnisvoll, weil es den heidnischen Vorfahren als gut und segenbringend galt. So war der Freitag, benannt nach Freia, der Gattin Fros, der günstigste Tag für die Hochzeit. In den Namen fast sämtlicher Tage der Woche pflanzt sich die Erinnerung an die Götter unserer Vorfahren fort. Drei Tage tragen ihren Namen von Sonne und Mond. Der Dienstag (früher Ziestag) hat seinen Namen von Zio, d.h. der Glänzende, in dem Wort dieser ältesten germanischen Gottheit steckt der alte indogermanische Name für Gott, lateinisch deus. Der Gott Donar gab dem Donnerstag seinen Namen. Der Mittwoch als Wotanstag ging uns verloren, hat seinen Namen aber in der englischen Sprache als wednesday behalten

Nach Chlodwigs Tod herrschten gleichberechtigt die vier Söhne als Könige der Franken in ihren Reichsteilen

Dieses Prinzip der Herrschaftsteilung stützte sich auf den germanischen Volksglauben, der allen Mitgliedern der königlichen Sippe gleichermaßen magische, charismatische Kräfte – nämlich das Königsheil – zuerkannte, das ungeteilt für die Herrschaft nutzbar gemacht werden sollte

In dieser Zeit gehörte unser Gebiet zu Austrien, dem Königreich von Chlodwigs Sohn Theuderich. Austrien umfasste das alte fränkische Territorium.

Die wiederholte Teilung des merowingischen Frankenreichs führte zu brutalen Machtkämpfen zwischen den Königen sowie zwischen Adel und Herrschern und ruinierte das Reich. Schließlich führten die Merowingerkönige nur noch ein Schattendasein.

In dieser Zeit rissen die obersten Hof- und Staatsbeamten, „Hausmeier“, genannt nach dem lateinischen Titel Maior domus (der Größer im Hause, Hausälteste), allmählich die Machtbefugnisse an sich. Als Pippin der Jüngere (741-768), Hausmeier des germanischsten aller fränkischen Königreiche Austrien, sich 751 mit der Zustimmung von Papst Zacharias vom fränkischen Adel zum König wählen und vom päpstlichen Legaten Bonifatius salben ließ, war die Zeit der merowingischen Dynastie beendet, es begann die karolingische Königsmacht.

In einer ausführlichen Studie datiert Dr. Josef Hainz die älteste Geschichtsquelle der Stadt Kyllburg, den Flurnamen Hahn in die Merowingerzeit. In einer Veröffentlichung aus dem Jahre 1970 schreibt er:

Viele Landeskundler und Heimatforscher aller Fachrichtungen bewunderten und besuchten oft den Stiftsberg in Kyllburg. Erdgeschichtlich gesehen ist der Kyllberg klar, sein Entstehen ist gelöst. In der Umgebung des Kyllberges lagern beste erdgeschichtliche Urkunden, im Hang bei Wilsecker finden wir den versteinerten Küstenschlick des Muschelkalkmeeres gut ausgebildet. Geschichtlich betrachtet steckt der Burgberg voller Rätsel und ungelöster Geheimnisse, die schriftlose Zeit schweigt über den Berg, bisher konnten keine archäologischen Funde gemacht werden. Lediglich wenige karolingische Scherben wurden gefunden. Dabei glaubt man, der Kyllberg müsste, gemessen an ähnlichen Festungen, voll von Fundstellen sein. Es müssten Funde sein, die der Heimatforschung die Möglichkeit geben, die geschichtliche Rolle zu klären. Man will einfach nicht glauben, dass eine solche Naturfestung erst seit der Merowingerzeit besiedelt war

Erdgeschichtlich gesehen ist der Raum Kyllburg ein Übergangsgebiet vom Muschelkalk zum Buntsandstein, Die Gemarkung Etteldorf mit dem Taubenberg liegt auf einer großen Flussschleife der Kyll. Diese Siedlung bietet mit Kyllburg und dem Hahn das entsprechende Gegenstück im Flussverlauf. Der Raum Kyllburg ist also auch ein geologischer Grenzraum zwischen dem Gutland und der Kyllburger Waldeifel, also ein Übergang vom Ackerland zum Waldgebiet.

 

Einige Erhebungen im Raume Kyllburg: Taubenberg (438 m)
Hahn (345 m)
Steinberg (408 m)
Hasenknopp (464 m)
Hasberg (478 m)
Rosenberg (449 m)

 

Die Verwerfungen des Horschelter Grabens, des Helsdorfer Grabens, des Neidenbachs und des Weilerbaches prägen das Landschaftsbild des Raumes. Das Siedlungsbild des Buntsandsteingebietes sind die Talsiedlungen, Kyllburg allein ist aber eine ausgeprägte Höhensiedlung.

Die großen Durchgangsstraßen Nord – Süd und Ost – West können naturgemäß nur am engeren Kyllburger Raum vorbeiführen. Gerade diese so geschaffene Landschaft mit zwei Flussschleifen muss erfahrungsgemäß eine besondere Form der Siedlungsgeschichte darstellen. Auch das kleine Wegenetz der Vorgeschichte passte sich an diese Gegebenheit an.

 

Das vorgeschichtliche Wegenetz von Kyllburg:

West-Ost-Wege:

  • Staffelstein-Malbergweich u. Malberg-Kyllburg-Oberkail
  • 2. Etteldorf – Wilsecker – Orsfeld – Gindorf (diese Wegführung fand Anschluß an den Weg Badem – Seinsfeld)

Die Nord-Süd-Wege sind kaum festlegbar

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