Chronik 1200 Jahre Kyllburg

Kyllburg in der Karolingerzeit

Chronik 1200 Jahre Kyllburg 800-2000 S.28-30

Im Frühherbst des Jahres 813, wenige Monate ehe Karl der Große zweiundsiebzigjährig starb, traten in Aachen die geistlichen und weltlichen Großen des fränkischen Reiches zusammen. In ihrem Beisein erhob der alte Herrscher seinen Sohn Ludwig feierlich zum Mitregenten und damit zum Alleinerben des Reiches und des Kaisertitels

Als Ludwig I, der später „der Fromme“ genannt wurde, am 20. Juni 840 starb, war die Frage der Einheit bzw. der Teilung ungeklärt. Die Söhne Lothar, (Pipin war schon gestorben) Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle (Sohn aus 2. Ehe) einigten sich, bevor es zum Bruderkrieg kam, im August 843 im „Vertrag von Verdun“ über die Aufteilung des Reiches. Danach erhielt Karl der Kahle den Westteil, d. h. alles Land westlich der Linie Schelde-Maas-Rhone. Ludwig dem Deutschen fiel der Ostteil rechts des Rheins zu. Lothar erhielt außer dem Kaisertitel Italien und den Landstreifen zwischen dem West- und Ostreich. Zu diesem Mittelreich gehörte unser Eifelgebiet

Als Kaiser Lothar I. am 29. September 855 im Alter von 60 Jahren in der Abtei Prüm starb (hier hat er auch seine letzte Ruhestätte) erfuhr das Mittelreich eine neuerliche Teilung. Regino, Abt von Prüm (892-899) überliefert uns hierzu, daß sein Sohn Lothar II. den nördlichen Teil des Mittelreichs, nach dem es auch benannt wurde (Regnum Lotharii oder Lothringen), erhielt. Der Inhaber der Kaiserkrone, Lothars Bruder Ludwig II., erhielt Italien. Als Lothar II. 869 in Piancensa erkrankte und starbt, teilten seine Onkel in Ost und West, ohne Rücksicht auf andere Anwärter das Mittelreich im Vertrag von Meersen im Jahre 870 unter sich auf. Der östliche Teil einschließlich der Eifel wird Ludwig dem Deutschen, zugesprochen. Sein Sohn und Nachfolger, Ludwig der Jüngere mußte seinen Anteil allerdings erst noch verteidigen. In der Schlacht von Andernach (876) verjagte er das Heer Karls des Kahlen und brachte im Vertrag von Ribémont (880) auch den westfränkischen Anteil Lothringens an sich. Die Franzosen haben diesen Verlust nie verschmerzen können, zumal dadurch große Teile der romanischen Bevölkerung an den germanischen Osten angegliedert wurden

Für die Eifel folgte bald ein furchtbares Jahrzehnt. Die Normannen, auch Wikinger genannt, die in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts weite Teile des Ostfränkischen Reiches überfallen hatten, rückten im Januar 882 bis Prüm vor, wo sie unter der sich gegen die Eindringlinge wehrenden Bevölkerung ein furchtbares Gemetzel anrichteten und die Abtei den Flammen übergaben. In der Karwoche, am 5. April 882 fielen sie in Trier ein und legten den Dom in Schutt und Asche. Mit gewaltiger Beute zogen sie nach einem Kampf am 10. April bei Remich wieder nordwärts. Aber schon nach Jahresfrist erschienen sie wieder in der Eifel und trieben ihr Unwesen hauptsächlich in der Gegend um Prüm.

Noch war der Leidensweg der Eifel nicht zu Ende. Knapp zehn Jahre später (892) stießen die Normannen wieder in die Eifel vor und plünderten nochmals Prüm. Da zu dieser Zeit in der Eifel eine Hungersnot herrschte und folglich nicht allzuviel zu holen war, zogen sich die Kriegsbanden zurück, diesmal endgültig. Denn der jetzt herrschende Ostfrankenkönig Arnulf von Kärnten (887-899) besiegte ihre Kernmacht 895 entscheidend bei Löwen, worauf die Normannen nordwestlich zogen und sich an der unteren Seine neu ansiedelten, in der nach ihnen später benannten Normandie. Inwieweit das Kyllburger Land von den Überfällen der Wikinger betroffen war, ist uns nicht bekannt. Da in einem Güterverzeichnis der Abtei Prüm aus dem Jahre 893 bereits zwei Kirchen im Bereich Kyllburgs genannt werden, ist es denkbar, daß die normannischen Banden auf ihrem Zug von Prüm nach Trier (882) auch im Kyllburger Land gehaust haben.

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