Gedicht/Lied

Kyllburg – Gedicht von Adolf Kühne

Erschienen in "Das Eifelland" - Illustrierte Halbmonatsschrift für das Gesamtgebiet der Eifel - 2. Jahrgang, Nr. 15, 1897

Kyllburg.

Der Erde größten Teil hab‘ ich geseh’n
Und viele Länder habe ich durchzogen;
Oft blickt‘ ich nieder von der Alpen Höh’n,
Hinauf zu ihnen von des Meeres Wogen;
Manch‘ schönes Bild hat sich dann tief bewegt
Dem Geist des Wand’rers ewig eingeprägt!

Einst glaubte ich, ich sei im Paradies,
Als ich Neapel, Lissabon erblickte,
Und als ich diese Städte dann verließ,
Die Wehmut Thränen mir in’s Auge drückte;
Ich ahnte fast: „Wohin ich würde geh’n,
Ein solches Land würd‘ ich nicht wieder seh’n!

Ein Greis bin ich, ein Greis der immerfort
Und unermüdlich mußte reisen, wandern;
Dem ew’gen Juden gleich zog ich von Ort zu Ort,
Vertauschte eine Stadt schnell mit der and’ren;
So bot sich mir ein wechselvolles Bild,
Heut‘ war es öd‘, grotesk — dann lieblich mild!

Und jetzt betrat mein Fuß auch Kyllburg hier,
Zum Eif’ler Hof hatt‘ ich den Ort erstiegen,
Von der Veranda blickt‘ ich nieder, welche Zier
Und welche Pracht sah ich dort vor mir liegen?
Ein Thal im Sonnenschein, so herrlich, schön,
Wie ich es selten in der Welt geseh’n!

Wie war ich überrascht und tief bewegt,
Nur staunend schaut‘ ich auf die Kyll hernieder,
Ich fühlte es, wie sich’s im Herzen regt,
zur Leyer griff ich schnell und neue Lieder
Ertönten jetzt, dies holde Zauberbild
Trug ahnungsvoll mich hin zum Traumgefild.

Umschlossen sah ich mich hier von der Berge Kreis,
Ich fühlt, ich sei in’s Paradies getragen,
Zum Jüngling wurde nochmals jetzt der Greis
Und feu’rig fühlt‘ ich meine Pulse schlagen;
Nach allen Seiten wand‘ ich meinen Blick,
Und rief vergang’ne Zeiten still zurück!

Vor vielen Jahren weilt‘ ich hier im Ort,
Viel‘ frohe Stunden hab‘ ich hier genossen,
Damals war’s Winter, bald auch mußt‘ ich fort
Nach achtundzwanzig Jahren, die verflossen,
Trieb mich die Sehnsucht nach entschwund’nem Glück
Fast mit Gewalt nach Kyllburg heut zurück!

Kyllburg, den 20. Juli 1897. Adolf Kühne.

Über den Autor

Adolf Kühne war ein bayrischer Dichter, der unter anderem den satirischen Gedichtsband: „Ein improvisirter Lorbeerkranz auf das geheiligte Haupt des Volksboten“ schrieb. Dieser Band erschien 1872 im Franz-Verlag, München.
Viel mehr ist mir nicht bekannt.

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