Gedicht/Lied Geschichte

Kuno I. von Pfullingen

Der Name Kuno ist laut der Legende eng verknüpft mit der Kyllburger Geschichte. Wir alle kennen den berüchtigten Malberger Ritter Kuno, der nach einem zunächst üblen Lebenswandel als Raubritter, später seine Taten bereute, ins Kloster ging und als frommer Mann starb.
Doch es gibt noch einen zweiten Kuno, der in den Annalen unseres Städtchens auftaucht — Kuno I. von Pfullingen, Erzbischof von Trier.
Den Namen Kuno gab’s im Mittelalter sehr häufig. Es war damals die gebräuchliche Kurzform für den Namen Konrad.

Konrad (* um 1016 in Pfullingen), auch Kuno genannt, war bis zu seiner Berufung zum Bischof von Trier Dompropst in Köln gewesen. Sein Onkel, Anno II., residierte dort von 1056 bis 1075 als Erzbischof.
Anno, ein sehr ehrgeiziger und machthungriger Erzbischof, war es, der den damals im „Heiligen Römischen Reich“ amtierenden Kaiser Heinrich IV. dazu veranlasste, seinen Neffen Konrad als Bischof von Trier einzusetzen. Damit hatten er und der Kaiser allerdings ihre Befugnisse überschritten. Nach damaligem Recht hätten der betroffene Klerus sowie der Adel und die Bürgerschaft von Trier vorher gefragt werden müssen. In Trier fühlte man sich deshalb übergangen und es kam zu heftigen Protesten. Die gelangten auch Erzbischof Anno zu Ohren. Er beauftragte daher Bischof Einhard von Speyer, den Neffen mit militärischem Schutz nach Trier zu begleiten, damit er dort sein neues Amt antreten könne. Die Trierer waren jedoch so sehr erbost über die von ihnen als unwürdig empfundene Fremdbestimmung, dass sie ebenfalls einen Trupp von Soldaten zusammenstellten. Unter Führung des Trierer Burggrafen Theoderich von Luxemburg wurden die Anrückenden am 18. Mai 1066 in Kyllburg überfallen. Kuno fiel in die Hände Theoderichs, der ihn zur Burg Ürzig an der Mosel bringen ließ.
Nach 14 Tage in Haft fiel der Entschluss Kuno zu töten. Vier Soldaten führten ihn zu einem Felsvorsprung und stürzten ihn von dort hinab. Kuno überlebte jedoch den Sturz, worauf die Männer ihr Vorgehen noch zweimal wiederholten. Als Konrad daraufhin immer noch nicht tot war, hieben sie ihm den Kopf ab. Die Leiche ließen sie liegen. Sie wurde später von ortsansässigen Bauern gefunden und erst 30 Tage nach dem Mord in der Nähe beerdigt. Der mitleidige Bischof Theoderich von Verdun veranlasste wenige Tage später deren Überführung in die Abtei von Tholey, wo sie am 10. Juli 1066 beigesetzt wurde.
Auf Betreiben des damaligen Mainzer Erzbischofs Siegfried wurde Konrad in den Kanon der Heiligen und Märtyrer aufgenommen. Seine Mörder wurden exkommuniziert. Burggraf Theoderich soll später auf einer Bußreise nach Jerusalem bei einem Sturm im Meer ertrunken sein.
In Lothringen ist das Andenken Kunos als Helfer bei Hüft- und Gliederschmerzen und bei Erkrankungen von Haustieren vereinzelt auch heute noch lebendig. Im Jahre 1960 soll Kunos Grab in der Tholeyer Abteikirche wiedergefunden und identifiziert worden sein. Sein Gedenktag ist der 1. Juni, der Tag, an dem er ermordet wurde.

Die Legende von Erzbischof Cuno I.

Aus: Die Eifel. Geschichte, Sage, Landschaft und Volksleben im Spiegel deutscher Dichtung. Von Joh. Bapt. Wend. Heydinger, Kapellan zu Adenau i. d. Eiffel. Verlag von J. Hölscher, Coblenz 1853, S. 368-370

Erzbischof Cuno 1)

Es sprengt durch Wald und Felder Graf Theoderich 2) hin,
Durch seines Helmes Gitter die Augen Blitze sprüh’n.
Und wie im wilden Krampfe erfaßt die Hand das Schwert,
Ihm folgen seine Mannen, zum nächt’gen Strauß bewehrt.

Zu Kyllburg macht am Morgen die Reitergruppe Halt,
Die Knechte noch sich bergen rings in dem nahen Wald.
Der Führer aber spähet: „Die Frevelthat gelingt!“
Drum winkt er den Gesellen — stracks ist das Haus umringt.

Noch lag in tiefem Schlummer der Erzbischof von Trier,
Probst Cuno war’s, der Kirche, des Landes höchste Zier.
Doch ihm, dem Auserwählten, das Domkapitel grollt,
Und gab drum, ihn zu fangen, dem Grafen reichen Sold.

Der hat den Ort umstellet, wo Cuno Herberg‘ macht,
Und von den Waffenklingen der fromme Mann erwacht.
Doch eh‘ er sich besonnen, erfaßt ihn schon der Troß
Und schleppet ihn zur Mosel auf Uerzig’s festes Schloß.

Dort saß er viele trage im dunklen Kerkerbau,
Wo nicht das Auge schaute des Himmels lichtes Blau;
Wo nicht der Sonne Strahlen erwärmten sein Gebein,
Er war im feuchten Thurme verlassen und allein.

Doch hatt‘ er fromm ergeben sich in sein Mißgeschick,
Ihm kündete der Glaube: „Es wacht des Vaters Blick,
Es wird auf allen Wegen dich führen seine Hand,
Ob rings auch um dich lohet der Blitze Flammenbrand.“

Nicht war der Leidensbecher geleert bis auf den Grund:
Vier Henkersknechte nahen in früher Morgenstund‘,
Berauben des Gewandes den frommen Gottesmann
Und schleppen ihn mit Höhnen den steilen Berg hinan.

Und als sie angekommen hoch auf der Felsenwand,
Da fesseln sie die Arme Cuno’s mit starkem Band
und stürzen ihn hinunter; laut schallt ihr spöttisch Schrei’n:
„Bist du von Gott erwählet, wir er dir Schutz verleih’n!“

Doch leicht und sanft getragen sinkt er hinab zum Grund,
Es that die Hülfe Gottes sich wunderbarlich kund.
Und ob sie auch ihn greifen zum wiederholtenmal,
Stets sah’n sie unversehrt ihn beten in dem Thal.

Ergrimmt, daß ihr Bemühen zu morden nicht gelingt,
Der Henker Schaar die Schwerter mit wildem Fluchen schwingt.
Da haucht vor solchen Streichen er seine Seele aus, 3)
Die Knechte aber fliehen — sie trieb der Hölle Graus.

Und als nach Trier die Kunde von seinem Tode kam,
Da peinigt das Gewissen den Graf, das Kreuz er nahm,
Im heilgen Land zu büßen; doch sah das Ziel er nicht,
Im Sturm hat ihn ereilet des Himmels Strafgericht. 4)

von Heinrich Müller

1) Cuno oder Conrad aus dem Hause Pfulingen, Domprobst in Cöln, wurde vom Kaiser zum Erzbischof von Trier ernannt im Jahre 1066
2) Theoderich, aus dem Hause Luxemburg, war damals Statthalter von Trier.
3) Cuno erlitt am 1. Juni 1066 den Martertod. Im Kloster Tholey, wo sein Leichnam beigesetzt ist, ward sein Festtag am 1. Juni begangen.
4) Theoderich erlitt auf der Reise nach Syrien Schiffbruch und ertrank (17. Februar 1073).

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