Chronik 1200 Jahre Kyllburg

Hopfenanbau in Kyllburg

Der Hopfenanbau befand sich zu dieser Zeit jedoch noch im Aufschwung. In der Mitte des letzten Jahrhunderts hatte nämlich die Industrialisierung eingesetzt, die auch das Brauwesen erfasste. Technische Innovationen machten die Bierherstellung von nun an kontrollierbar und damit erst industriell möglich. Das Ergebnis war ein enormer Bierausstoß der neu entstandenen Großbrauereien. Bier wurde das wichtigste Getränk des Industriezeitalters. Dies musste Folgen für den Hopfenanbau haben. Eine deutliche Steigerung der Erntemenge ist in dieser Zeit feststellbar.

Amtliche Aufzeichnungen nennen für das gesamte Kyllburger Gebiet einen überdurchschnittlichen Ertrag pro Jahr. Hierzu waren ca. 30 000 Hopfenstangen aufgestellt. Aus diesen Zahlen erkennen wir, wie das Ortsbild von Kyllburg und Malberg ausgesehen haben muss. In und um beide Orte waren ca. 27 500 Stangen angeordnet.

Die britische Reiseschriftstellerin Katherine Macquoid schreibt in ihrem Buch „Die Eifelreise“ (Titel der englischen Originalausgabe „In the Vulcanic Eifel“) über einen Besuch in Kyllburg im Jahre 1895 :

“ Unsere Betten waren sehr bequem; und als wir am anderen Morgen hinausschauten, schien die Sonne strahlend auf einen kleinen Hopfengarten, fast genau gegenüber unserem Fenster; manche Stangen müssen vierzig Fuß hoch gewesen sein, und die Wirkung von so viel schwankendem grünem Laub im Sonnenschein war herrlich. Jedermann schien in Kyllburg einen Hopfengarten zu besitzen, und alle waren fleißig dabei, Hopfen zu pflücken. Das kleine Wohnzimmer unserer Wirtin war eine wahre Laube von schönem, grünem Hopfen; sie und ihre Tochter pflückten abwechselnd, so dass das ganze Haus mit dem angenehmen und beruhigenden Hopfenduft erfüllt war. „

Dieser Auszug der Beschreibung Kyllburgs aus dem Buch einer englischen Lady zeigt uns ein Bild der damaligen Landschaft in und um Kyllburg.

Auf Grund der sehr guten Qualität des Kyllburger Hopfens und der seit 1870 erstellten Eisenbahnanbindung konnten auch auf den überregionalen Märkten, wie Frankfurt und Münster in Westfalen, Höchstpreise erzielt werden. Die Großfirmen Schwab & Weil & Söhne aus Speyer kauften ab 1870, ohne Marktvermittlung, vor Ort. Dadurch wurden höhere Preise gezahlt.

Vermutlich durch eine übermächtige süddeutsche Konkurrenz setzte Ende des 19. Jahrhunderts ein Preisverfall ein. In den Jahren 1880 bis 1890 sanken die Preise von 150 Mk. pro Ztr. auf 30 Mk..

Man wollte den Hopfenanbau aufgeben, da die schwierige und zeitraubende Arbeit keinen gerechten Lohn mehr fand. Man hatte kaum noch Geld, die notwendige Düngung durchzuführen; die Hopfenstangen wurden immer teurer. Eine Eintragung in den Klosterbüchern von St. Thomas aus dem Jahre 1896 schildert uns die ganze Not:

Nun gibt es nur noch 15 Pfg. für das Pfund. Die Mühe der Bauern lohnt sich schlechter als die Reisen der Hopfenhändler. Wenn der Preis des marktfähigen Hopfens unter 1,20 Mark pro Pfund sinkt, ist der Anbau unrentabel. Wie soll es weitergehen?

Es spricht für die Zähigkeit unserer Eifelleute, dass sie doch nicht aufgaben.

Für das Jahr 1904 wurde nochmals ein Preis von 1,50 Mark pro Pfund erzielt. Ein Jahr später wurden sogar noch neue Hopfenstangen gesetzt um die Ernte zu steigern.

Dies sollte jedoch der letzte Einsatz im Kampf um die Existenz auf der Grundlage des Hopfenanbaus gewesen sein. In Kyllburg wurde der Anbau 1907, in Malberg und St. Thomas 1910 restlos eingestellt. Der jungen Generation boten sich andere, wirtschaftlich günstigere Arbeitsmöglichkeiten bei der Eisenbahn, in den Steinbrüchen oder in den großen Wäldern.

Den älteren Bürgern unserer Heimat aber schwand mehr als eine wichtige Existenzgrundlage. Der Niedergang einer gewohnten Lebensordnung traf sie schwer und tief.

Fast wehmütig berühren uns die Gedanken, die ein Chronist in einem letzten Bericht zusammenfasste:

…so werden sich die Kurgäste wahrscheinlich nicht mehr lange über die üppigen Bohnenfelder wundern … unsere Dörfer liegen entblößt die Abende werden lang.

Einen Kommentar verfassen

captcha

Please enter the CAPTCHA text