Geschichte

Hopfen und Malz, Gott erhalts

Eifelvereinsblatt 1927, Nr. 6, S. 89/90
Von H. Gueth, Kyllburg.

Rankender Hopfen! Wie süß der Duft
Blühender Dolden in lauer Luft!

Ja, welch ein Genuß war es, durch die blühenden Hopfengärten zu wandeln und den kräftig würzigen Blütenduft zu trinken! Wie reizend der Anblick, als die Hopfengärten die Häuser in einer hohen grünen Flut begruben! Wie schön, wenn zur Sommerzeit die sonnigen Hänge und Terrassen Kyllburgs auf dem Annenberg, dem Rosenberg, dem Meiselter und der Hang von einem dichten Wald von Hopfen besetzt waren! Diese schönen und sorgfältig gepflegten Hopfengärten von St. Thomas, Kyllburg und Malberg waren ein einzigartiger Schmuck des Kylltales. Für viele Touristen und Kurgäste war es ein seltener, für manche gar ein nie gesehener, reizvoller Anblick; denn weit und breit in Rheinlande wurde nur in Kyllburg und nächster Umgebung Hopfen angebaut; ein Verweis für das milde Klima dieser Landschaft. Seit ungefähr 20 Jahren ist die ganze Herrlichkeit verschwunden. Nicht ein einziger Hopfengarten ist mehr vorhanden. Wohl fällt dem aufmerksamen Naturfreund auf, wie hoch und üppig bei Kyllburg die Hecken, Zäune und Lauben vom Hopfen überwuchert werden, und er wundert sich, wie häufig, kraftvoll und schön hier der wilde Hopfen vorkommt. Es ist eben kein wilder Hopfen, sondern allmählich verwildernder, ehemals kultivierter Hopfen, der letzte Rest einer ehemals blühenden Hopfenkultur. Es ist ein Gruß aus einer schöneren, besseren Zeit, als in allen größeren Orten der Eifel das kräftige, wohlbekömmliche obergärige Bier, ähnlich dem „echten Kölsch“, in eigener Hausbrauerei hergestellt wurde; als heimische Berste, in kleinen Mälzereien verarbeitet, zum Kyllburger Hopfen das nötige Malz lieferte. Vorbei! wie jene gute alte Zeit, da es zum Attribut einer sorgsamen Hausfrau gehörte, dem Eheherrn selbstgebrautes, kräftiges Hausbier vorsetzen zu können, wie es die Germanin tat, wenn sie den jagd- und kampfmüden Germanen in der Halle in riesigen Trinkhörnern den berauschenden Met, selbstgebraut, zum gastlichen Willkommen bot. Eine andere Frage ist, ob den heute so verwöhnten Gaumen das kräftig-bittere Bier munden würde. Wohl kaum! Die Zeiten ändern sich, die Menschen aber auch.
Im Kyllburger Tal wurde nachweislich schon vor 250 Jahren Hopfenbau betrieben. Es ist anzunehmen, daß es die üblichen Kulturbringer und Kulturträger des Mittelalters waren, die den Hopfen nach Kyllburg brachten. Die Bücher des Klosters zu Freising erwähnen schon im 9. Jahrhundert den Hopfenbau des Klosters. Die Aebtissin Hildegard zu Ruppertsberg a. Rh. schreibt, daß mit Hopfenzusatz bereits im 11. Jahrhundert begonnen wurde. Es ist möglich, daß auch ins Kylltal der Hopfenbau durch einen gelehrten Stiftsherren oder einen welterfahrenen Scholaster des Kyllburger Stiftes, oder gar durch eine praktische Aebtissin des adligen Frauenklosters in St. Thomas eingeführt wurde, haben doch heute noch viele Klöster ihre eigene Bierbrauerei (Mariawald).
Der Kyllburger Hopfen ging hauptsächlich nach Prüm, Bitburg und Trier, in früheren Jahren auch nach Frankfurt a. M. auf den Hopfenmarkt. Hier kaufte j.Z. die Großfirma Schwab große Posten. Da die Güte des Kyllburger Hopfens gerühmt wurde, erzielte man gute Preise. Bei Kyllburg wurde hauptsächlich der Schwetzinger Mittelgebirgshopfen und der „Spalter“ kultiviert. Der Kyllburger Hopfen gab den Originalgewächsen wenig nach. Der Durchschnittsertrag betrug in den 3 Orten zusammen etwa 700 Zentner. Im Durchschnitt kostete 1 Pfund ½ Taler. Einmal wurde für das Pfund sogar 1 Taler 15 Groschen bezahlt. Dann aber ging der Preis rapid herunter. In den letzten Erntejahren sank er auf 70 Pfg. – 60 Pfg. – 50 Pfg. Schließlich bot man sogar nur mehr 25 Pfg. für das Pfund. Das war das Ende. Schade darum! Man gab es auf. Es war eine schwierige, zeitraubende Arbeit. Der Hopfen bedarf einer sorgsamen Pflege und einer sehr reichen Düngung. Auch die ca. 7–9.50 Meter hohen Hopfenstangen waren teuer. Wenn der Preis des marktfähigen Hopfens unter 1.20 Mark pro Pfund sinkt, ist der Anbau unrentabel. In Kyllburg wurde der Hopfenbau 1907 und in Malberg 1910 restlos aufgegeben.
Heute erinnern an den Hopfenbau nur noch die vielen verwilderten Stockausschläge und noch für lange Jahre die typischen Altkyllburger Häuser, die unter dem Dachgesims breit, aber ganz niedrige Fensteröffnungen zeigen. Diese ließen die Luft kräftig über den Darren auf dem Trockenspeicher zirkulieren; denn nur ganz trockener Hopfen war marktreif und hielt sich ein Jahr gebrauchsfähig. Die älteren Leute aber erzählen heute noch gern vom „Hoab“ und von den gemütlichen Abenden, an denen der „Hoab“ in der Stube von den Nachbarn gemeinsam gepflückt wurde. Dabei wurde gesungen, gespielt und gescherzt, und manch zartes Band wurde durch die Hopfenseile gebunden. Es umwehte diese Winterabende eine ähnliche Poesie, wie wir sie aus den Spinnstuben kennen und die hier wie dort leider auch mehr und mehr dem modernen Zeitgeist zum Opfer fällt.

In gutes Bier gehört vor allem guter Hopfen rein!
Mit Ginsterspitzen schafft man schlechten Stoff und Magenpein!

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