Chronik 1200 Jahre Kyllburg Örtlichkeiten

Eröffnung des Hotel „Eifeler Hof“

Quelle: Hans Klotz und Schmitt Karl, Hundert Jahre Eifeler Hof
Die schöne landschaftliche Lage, sowie die saubere Gebirgsluft haben die Stadt Kyllburg im Laufe der Jahre zu einem ausgesprochenen Luftkurort werden lassen. Der Baubeginn der Eisenbahnlinie Köln-Trier im Jahre 1870 brachte in Kyllburg eine bemerkenswerte Entfaltung des Wirtschaftslebens, darunter besonders auch des Fremdenverkehrs sowie des Hotel- und Gaststättengewerbes.

Es entstanden Hotels und Fremdenpensionen, darunter auch das Hotel „Eifeler Hof“ das an Pfingsten 1890 eröffnet, im Laufe der folgenden Jahre erweitert und bald – kurz nach der Jahrhundertwende – zum größten Hotel des Eifellandes wurde.

Es war der damals in Kyllburg ansässige Kaufmann und Gastwirt Wilhelm Schulte, der ausgehend von seiner auf der Hochstraße befindlichen Gastwirtschaft, diese vergrößerte und das Hotel errichten ließ.

In der Zeit nach der Jahrhundertwende bis zum ersten Weltkrieg stieg der Zustrom der Feriengäste im „Eifeler Hof“ – vornehmlich aus dem nördlichen Rheinland und den Niederlanden – an, so daß sich das Hotel bald zum größten und vornehmsten Hotel der Eifel entwickelte und weit über den hiesigen Bezirk bekannt wurde.

Bereits im Jahre 1911 umfaßte das Hotel mit den Dependancen 130 Zimmer mit rund 200 Betten.

Eifeler Hof im Jahre 1903

Im August 1914 brach der erste Weltkrieg aus, der einen starken Rückgang des Fremdenverkehrs zur Folge hatte. Am 9. Januar 1916 starb der Hotelbesitzer Wilhelm Schulte. Sein Sohn Josef Schulte übernahm nun als Nachfolger seines Vaters die Leitung des Hotels. Im Jahre 1919, also nach Ende des ersten Weltkrieges, wurde das Hotel Hauptsitz eines amerikanischen Armeestabes.

Nach Abzug der Amerikaner entwickelte sich der Fremdenverkehr und damit auch der Betrieb des Hotels erneut. Vor allem in den 20er Jahren war ein großer Aufstieg zu verzeichnen.

Auch in den 30er Jahren hatte das Hotel während der Saison zahlreiche Gäste. Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges (1. September 1939) waren es vor allem Gäste aus dem Rheinland, Belgien und den Niederlanden, die in Kyllburg Erholung suchten. In der Zeit bis zum zweiten Weltkrieg hatte der Hotelbesitzer Josef Schulte das Werk seines Vaters Wilhelm konsequent fortgeführt und erweitert. So gehörte zum Hotel seit langem ein großes Kaufhaus, das außer einer Textil-, Schuh- und Möbelabteilung auch eine Lebensmittelabteilung umfaßte. Für die zahlreichen Bediensteten des Hotelunternehmens war sogar seit langem eine betriebseigene Sozialversicherung geschaffen worden. Bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges 1939 lief der Hotelbetrieb zunächst weiter, jedoch waren es jetzt nur noch Gäste aus dem Inland, die im Hotel abstiegen. Um eine befriedigende Bewirtung der Gäste sicherzustellen, hatte die Hotelleitung vorsorglich 2 Kühe, eine Anzahl Schweine und Hühner angeschafft. Im Jahre 1943 ging die Zahl der Hotelgäste erheblich zurück, nachdem immer größere Beschränkungen der Reisemöglichkeiten, sei es durch Erlasse der Reichsregierung, oder durch den sich ausweitenden Luft- und Bombenkrieg eingetreten waren.

Im Jahre 1944, als sich die in Frankreich bei der Invasion gelandeten Angloamerikaner schließlich der Reichsgrenze näherten, und der Kreis Bitburg zum Kampfgebiet geworden war, wurde im „Eifeler Hof“ ein Feldlazarett untergebracht, das aber nach verhältnismäßig kurzer Zeit in das Reichsinnere zurückverlegt wurde. Dafür bezog nunmehr ein Verband der sogenannten „Organisation Todt“ im Hotel Quartier. Die „Schanzer“, wie die Angehörigen dieses Verbandes in Kyllburg damals genannt wurden, hatten die Aufgabe, im Kreisgebiet Verteidigungsstellungen und Schützengräben auszuheben.

Bei dem Bombenangriff auf Kyllburg Anfang Januar 1945 wurde auch das Hotel „Eifeler Hof“ erheblich beschädigt. Sprengbomben zerstörten den Speisesaal an der Hinterfront und den Wintergarten. Kurze Zeit nach den Bombenangriffen verstarb der Besitzer des Hotels, Herr Josef Schulte, am 17. Januar 1945 im Alter von 59 Jahren.

Nach dem Tod ihres Ehegatten übernahm die Witwe des Hotelbesitzers, Frau Agnes Schulte, geb. Kehrer, die Leitung des Hotels und der Geschäfte.

Am 4. März 1945 wurde Kyllburg, das bereits seit einigen Tagen zuvor unter Artilleriebeschuß lag, von den anrückenden amerikanischen Truppen eingenommen. Sie besetzten sofort das Hotel und richteten sich dort ein. Nach ihrem Abrücken im Juni 1945 requirierten die nachfolgenden französischen Besatzungstruppen das Hotel sowie das Wohnhaus des verstorbenen Hotelbesitzers.

In dem erhalten gebliebenen Teil des Hotels richteten sie die Kommandantur für den Landkreis Bitburg ein, während der Kommandant das gegenüber dem Hotel gelegene Wohnhaus Schulte bezog.

Erst nach Freigabe des Hotels durch die französischen Behörden konnte im Jahre 1950 nach Beseitigung der schlimmsten Schäden das Hotel wieder in Betrieb genommen werden. Frau Schulte leitete das Hotel in dem 1955 zusätzlich ein Kneipp-Bad eingerichtet wurde und das Kaufhaus.

Am 23. April 1955 wurde das Bad im Rahmen eines Festaktes seiner Bestimmung übergeben.

Ein Jahr später, am 16. September 1956, fand in großem Rahmen im sogenannten „Roten Saal“ ein weiterer Festakt statt; an diesem Tage wurden der Stadt Kyllburg die Stadtrechte, die sie seit 1256 besessen und 1856 verloren hatte, wieder verliehen. Der damalige Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, Dr. h.c. Peter Altmeier, überreichte dem damaligen Stadtbürgermeister Hans Klotz die Verleihungsurkunde.

In der Folgezeit legte die Hotelbesitzerin Frau Agnes Schulte die Leitung des Hotels nieder und verpachtete den Betrieb, bis sie am 1. Juni 1959 das Haus den „Heilig-Geist-Schwestern e.V.“ schenkte, die nunmehr das Hotel weiterführten. Unter deren Leitung erfolgte der Einbau des Schwimmbades sowie des Personenaufzuges vom Schwimmbad bis zum Dachgeschoß. Außerdem richteten sie im Hause eine Hauskapelle ein, die sich bei den Hotelgästen und den im Hotel wohnenden Geistlichen großer Beliebtheit erfreute. Im Sommer des Jahres 1984 konnten die Heilig-Geist-Schwestern im Rahmen einer Feier den 25. Jahrestag der Übernahme des Hotels feiern. Im Dezember 1987 ging der Besitz an die aus Oelde in Westfalen stammende Familie Abeler.

Nach der Übernahme erfolgte eine umfassende Renovierung und Erweiterung des Hotels. So wurden die Geschäftsräume des Kaufhauses umgebaut und dem Hotelbetrieb nutzbar gemacht. Es entstanden der sog. „Blaue Saal“ und ein großer Bibliotheksraum für die Gäste. Außerdem wurden sämtliche Hotelzimmer renoviert und neu gestaltet. Im Kellergeschoß entstand der „Fuchsbau“, ein Kellerlokal, das alsbald von den Kyllburgern und Hotelgästen gern besucht wurde. Weiterhin entstanden im gleichen Geschoß ein Billard-Raum sowie eine Golf-Lehranlage und eine Kegelbahn.

Mit einem weiteren Ausbau des inzwischen auch als Kurklinik und Kneipp-Kurhotel allgemein anerkannten „Eifeler Hof“ hatte das Hotel einen Standard erreicht, der sich vor keinem Vergleich mit anderen großen Hotels zu scheuen brauchte.

Nach nochmaligem Besitzerwechsel im Jahre 1998 und großzügiger Renovierung betreibt der derzeitige Pächter das Hotel zur Zeit nicht.

Es ist zu hoffen, daß dieses die Innenstadt Kyllburgs dominierende Gebäude bald wieder mit Leben erfüllt wird und an den Glanz vergangener Jahre anknüpft.

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