Kirche

Die Wallfahrtsorte des Bistums Trier – 1. Kyllburg

Die Wallfahrtsorte des Bistums Trier
ihre Bedeutung, ihre Geschichte und ihr Kult
Von P. Athanasius Bierbaum OFM.
Paulinus Jahrgang 1934/35

1. Kyllburg in der Eifel

Im schönen Kyllburg, dort, wo die flinke und blaue Kyll einen langen Bergrücken umsäumt, der mit einer waldbestandenen Kuppe abschließt, winkt uns das alte Liebfrauenstift als Gnadenort U. L. Frau entgegen. Es war ehedem der bedeutendste marianische Wallfahrtsort der Westeifel, wird aber auch heute noch von pilgern und Prozessionen besucht.

Hier im „Bedgau“ baute der Trierer Erzbischof Theoderich im Jahre 1229 an der Stelle des alten Kastells eine feste Burg. Und neben der Burg gründete Erzbischof Heinrich II. von Vinstingen eine herrliche Kirche zu Ehren der allerseligsten Jungfrau und bei der Kirche ein Kollegiatstift, das bis zur Säkularisation bestanden hat. in der Kirche befand sich ein Gnadenbild Mariä, im Volksmund noch heute die „Stauden-Muttergottes“ genannt. Damit hat es nach der Legende folgende Bewandnis:
Als Erzbischof Heinrich von Vinstingen ein Liebfrauenstift gründen wollte, bestimmte er dafür Kyllburg. Bei Kyllburg ist nun ein Berg jenseits der Kyll, unweit des Dorfes Wilsecker. Man führ Steine und andere Baumaterialien an. Doch siehe! alles war am anderen Morgen verschwunden. Man fand es aber auf der Höhe des Kyllberges wieder. Und gleichzeitig entdeckten ebendort Kinder in einem Strauch- und Staudenwerk ein Muttergottesbild. Das war für den Kurfürsten ein Wink des Himmels. So kamen das Stift und das Bild auf den Kyllberg. Das Bild aber hieß von da an die „Stauden-Mutter“.

Das Kyllburger Gnadenbild, die Gottesmutter mit dem Jesuskind, ist von hohem künstlerischem Wert. Dr. Bock hat es fachmännisch mit den Worten gezeichnet: „Was Haltung, Ausdruck der Gesichtszüge und edlen Faltenwurf der Gewandung dieses altehrwürdigen Bildwerkes betrifft, so ist darauf hinzuweisen, daß es gleichsam als Typus jener vielen Marien-Statuen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zu betrachten ist, die sich heute noch ziemlich zahlreich in den Kirchen des Rheines und der Trierer Lande erhalten haben.“

Von diesem Bild ist Rede in einem Antwortschreiben des Stiftes an den Kurfürsten Klemens Wenzeslaus, der im Jahre 1790 um einen Beitrag für die Schulen des Erzstiftes aufgefordert hatte. Das Kyllburger Liebfrauenstift lehnte dieses Ansinnen mit der Begründung ab, daß unter einer solchen Spende der Gottesdienst in der Stiftskirche schwere Einbuße erleiden müßte.

Eine glänzende Feier sah die Wallfahrtskirche auf der Kyllburger Höhe am 8. Juli 1894. Bischof Michael Felix Korum von Trier trug das Gnadenbild aus einer Seitenkapelle wieder auf den Hochaltar, wo es ehedem gestanden. — Ein schöner und alter Brauch ist es, daß die sieben Pfarreien der Umgegend zur Staudenmutter hinaufpilgern, um durch ihre Fürbitte ein gedeihliches Erntewetter zu bekommen. Diese Prozessionen haben, so versichern die Leute, noch immer auffallend geholfen.

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