Chronik 1200 Jahre Kyllburg

Die Sandsteinindustrie

In allen Zeiten war die Sandsteinindustrie für Kyllburg von großer Bedeutung. Das Sandsteinvorkommen an der Kyll beginnt bei Oberbettingen im Kreis Daun und erstreckt sich kyllabwärts über Kyllburg und Kordel bis Trier. Für die mittlere Kyll war Kyllburg im Bundsandsteingebiet der industrielle Mittelpunkt. Überall in der Umgebung Kyllburgs, im Tale, an den Hängen und auf den Höhen in tiefen Forsten zeigen sich die roten Sandsteinfelsen und die in die Berge hineingetriebenen Steinbrüche, die mit besonderer Eindringlichkeit das Landschaftsbild gestaltet haben. Diese Landschaft mit ihrem natürlichen Rohstoff hat auch die Wirtschaft ihrer Bewohner bestimmt und ihre Menschen geformt. Jahrhunderte hindurch hat sich im Kylltal über die Zeit der romanischen Baukunst, der Gotik, Renaissance und des Barock hinaus bis in die letzten Vorkriegsjahrzehnte Steinmetzkunst und Steinmetzgewerbe zu einem der blühendsten Eifeler Gewerbe, zu einer mächtigen Industrie entwickelt und gehalten.

Von den vielen Bauwerken, die in der Blütezeit der Eifeler Steinmetzkunst im engeren Bereich aus rotem und weißem Sandstein errichtet worden sind, seien hier nur erwähnt die Kyllburg (1239), die Stiftskirche nebst Kapitelhaus und Kreuzgang (1275-1520), das Kloster St. Thomas mit Kirche, Schloss Malberg, Kloster Himmerod. Auch der Wiederaufbau der Abtei Himmerod in den Jahren 1924/26 erfolgte in rotem Kyllburger Sandstein. Hunderte andere mächtige und herrliche Bauwerke in Trier, Koblenz, in allen rheinischen Städten und in ganz Deutschland sind aus rotem und weißem Eifeler Sandstein erstanden. Sie alle bergen äußere und innere Bildwerke, die von dem hohen Stande der Kunst, der architektonischen Wirkung und zugleich von der Dauerhaftigkeit des Eifeler Sandsteinmaterials zeugen.

Zu den vornehmsten Zünften in vergangener Zeit gehörten auch die Bauhütten. In Kyllburg bestand auf dem Stift eine Bauhütte wo des „Zirkels Gerechtigkeit“ gelehrt wurde und aus der manches Meisterwerk der Bau- und Steinmetzkunst hervorging.

 

Steinmetzzeichen und Steinzeichen auf Kyllburger Werkstücken

Georg Jakob Meyer

Dem Besucher der herrlich gelegenen Stiftskirche in Kyllburg begegnen so viele Eindrücke künstlerischer und volkskundlicher Art, dass er aus dem Staunen fast nicht herauskommt, ganz besonders bei der Vielzahl der Steinarbeiten im Kircheninnern und auch im Kreuzgang, die ihn neben dem Bewundern auch zum Nachdenken zwingen.

Steinzeichen an den Strebepfeilern im Stiftskreuzgang

Steinmetzzeichen Kyllburger Meister

All diese Kunstdenkmäler, aus heimischem Sandstein gefertigt, entstammen den Werkstätten Kyllburger Meister. Es muss schon eine ganze Anzahl gewesen sein, die bei der Fertigung der Stücke mitgewirkt haben, und wenn wir die Steuerliste von 1624 mit heranziehen, lesen wir, dass unter den 52 Haushalten in Kyllburg allein 6 Steinmetzen aufgeführt werden. Und im benachbarten Malberg, wo auch noch bis in die Neuzeit das Steinmetzhandwerk eifrig gepflegt wurde, half man fleißig mit. Mit genannt werden sollen die kunstvollen und reichprofilierten Haustürsteine in der Stiftstraße, von denen nur noch wenige übrig geblieben sind. Der Name eines Steinmetz, der für die zahlreichen Wegkreuze aus der Zeit zwischen 1607 und 1633 in Frage kommt, ist aus den Steuerlisten bekannt: es ist Theis Polich (Polch), der mit seinem Sohn ein größeres Unternehmen führte, wie in der Steuerliste angegeben ist „hat allerlei eigene Plätze.“ Darunter sind nicht nur Werkstätten, sondern auch Steinbrüche zu verstehen.

Wenn ein neuer Meister in die Zunft aufgenommen wurde, dann wurde ihm auch gleichzeitig sein Steinmetzzeichen verliehen; mit diesem Zeichen sollte er nun all die Werkstücke kennzeichnen, die von ihm gefertigt wurden. Von Kyllburg sind heute noch drei Steinmetzzeichen bekannt, die auf Wegkreuzen, auf einem Grabkreuz, einem Gewölbeschlussstein und auf einer Steinsäule erhalten geblieben sind. Die Steinmetzzeichen haben als Grundfigur ein Kreuz mit einem Ständer; dann fügt man noch einen waagerechten oder schrägen Strich durch den senkrechten Kreuzbalken hinzu. Das Steinmetzzeichen wurde an einer unauffälligen Stelle des Werkstücks klein angebracht. Steinzeichen dagegen haben mit dem Schöpfer des Werkstücks nichts zu tun – sie bezeichnen die Steinlage, in der dieser Stein in dem Pfeiler oder in dem Strebepfeiler zu liegen kommt. So haben alle Steine in einer Steinschicht dieselben Zeichen. Als Beispiel sind die zahlreichen Steinzeichen an den Strebepfeilern des Kyllburger Kreuzgangs oben abgebildet.

Mehr als 200 verschiedene Zeichen kann man bei den 45 Steinpfeilern feststellen. Die Formen dieser Steinzeichen sind recht vielseitig und man kann neben den vielen geraden Strichzeichen auch gebogene Linien feststellen. Besonders interessant sind die Steinmetzzeichen auf den Wegkreuzen, und nach 350 Jahren sind noch 25 Kreuze in Kyllburg und Umgebung festgestellt worden, die aus den Kyllburger Werkstätten hervorgegangen sind. Etwa die Hälfte tragen noch das Steinmetzzeichen, und wenn auch nicht das Zeichen den Steinmetzen verraten würde – die besondere Form des aus dem Stein gehauenen Korpus, der Lebensbaum auf dem unteren Schaftteil und vor allem die einzigartige Anbringung der Inschrift (sie verläuft senkrecht zum Beschauer, also parallel zum Schaft) – man würde ohne Mühe die Herkunft dieser Werkstücke erkennen. Erstaunlich ist, wie weit man die Wegkreuze aus den Kyllburger Werkstätten verfrachtete; gar bis nach Hersdorf, nach Wallenborn, nach Großlittgen und nach Binsfeld verschickte man die kunstvollen Kreuze. Aber noch viel weiter transportierte man die aus.

Sandstein gehauenen Haustürsteine. In Bremm an der Mosel sind heute noch zwei Haustürsteine festgestellt worden, deren Meister in Kyllburg seine Werkstätte hatte. Der älteste Haustürstein stammt vom Jahre 1624; er trägt auch das Steinmetzzeichen des Kyllburger Meisters. Der zweite Haustürstein aus rotem Sandstein stammt aus dem Jahre 1639. Das Steinmetzhandwerk in der alten Form ist gänzlich untergegangen. Das zeitraubende Bearbeiten von kunstvollen Haustürsteinen hat aufgehört – heute ersetzt der Kunststein, maschinell bearbeitet, diese Gebäudeteile. Haussprüche, christliche Symbole, sogar Jahreszahlen und das Monogramm des Hauserbauers entfällt – alles ist auf Kostenersparnis und Zweckmäßigkeit eingestellt. Wo noch alte Haustürsteine oder Wegkreuze Zeugen einstigen Kunstschaffens Eifeler Steinmetzen sind, möge man, soweit die Verhältnisse es gestatten, der Nachwelt diese Werkstücke erhalten zur Ehre und zum Lob der einstmals hochstehenden heimatlichen Steinmetzkunst.

Im 19. Jahrhundert wurden die Tunnelköpfe und Bahnstationen der Eisenbahnlinie Trier – Köln eindrucksvoll mit Sandsteinmauerwerk gestaltet. Die letzten großen Sandsteingebäude in Kyllburg waren das um 1890 gebaute Doppelhaus auf der Hochstraße (später Bürgermeisteramt, jetzt Friseur Lux und Dr. Bloedow) und der Hotelbau „Eifeler Hof“ im Gründerzeit-Stil. Sie waren als eine eindrucksvolle Werbung für Sandstein und handwerkliche Steinmetzkunst von den Steinbruchbesitzern Ludwig und Schulte erstellt worden.

Besonders die Familie Schulte hatte seit 1850 zahlreiche Sandsteinbrüche gekauft. Um die Jahrhundertwende 1890/1900 beschäftigte allein die Firma Schulte ca. 400 Arbeiter. Begünstigt wurde die weitere Entwicklung der Sandsteinindustrie durch den Bau der Eisenbahnlinie. Der Eifeler Sandstein wurde landesweit bekannt. Bei viele Bauwerken in Trier, Koblenz und sogar beim Bau des Reichtagsgebäudes in Berlin wurde Eifelsandstein verwendet.

Nach dem 1. Weltkrieg verkümmerte die jahrhundertealte Sandsteinindustrie, man baute einfacher und billiger. Die Kunst des Stein- und Bildhauers war kaum noch gefragt. Ganz zum Erliegen ist die Verarbeitung von Sandstein in unserer Heimat jedoch nicht gekommen. Im Umland von Kyllburg sind noch einzelne Steinbrüche und Steinmetzbetriebe tätig.

Wilhelm Schulte richtete in einem Hotelflügel ein Kaufhaus ein, das viele Jahre eine Monopol-Stellung in Kyllburg innehatte. Die Arbeiter der Firma Schulte, die Marktbesucher und natürlich die Einheimischen konnten hier buchstäblich alles kaufen, was im Haushalt benötigt wurde. In diesem vor über 100 Jahren eröffneten „Supermarkt“ konnte man neben Schuhen, Gardinen, Stoffen, Hüten und sonstigen Bekleidungsartikeln auch Möbel erstehen.

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