Chronik 1200 Jahre Kyllburg Örtlichkeiten

Die Kyllburger Mühle

Chronik 1200 Jahre Kyllburg 800-2000 S.44-50

Quelle: Föst Karl, „Die Kyllburger Mühle in ihrer Entwicklung und Geschichte“

Wir gehen gewiss nicht fehl, wenn wir die Existenz der Mühle als erzbischöfliche Mühle spätestens um das Jahr 1250 annehmen. Vom Jahre 1374 ab lässt sich ihr Bestehen auch urkundlich nachweisen, später bis in die Zeit der französischen Fremdherrschaft gar in verwandtschaftlich-erblicher Aufeinanderfolge ihrer Pächter. Nur selten wird man über die Namen der früheren Besitzer einer Mühle soviel in Erfahrung bringen können wie hinsichtlich der Kyllburger Mühle. Deshalb sei im Folgenden aufgezeigt, was wir darüber wissen

1374
verpachtet der Erzbischof und Kurfürst die Mühle auf Lebenszeit seinem Kellner zu Kyllburg, dem Canonicus Mathys, und 21 Jahre später
1395
seinem Kellner Johann zu Kyllburg
1543
belehnt Kurfürst Johann IV. seinen Untertan Johann Von Wydenbach und dessen Ehefrau Margaretha mit der Mühle, die nach deren Tode einem der Kinder zufallen soll
1577
ist Johann Hillens Müller zu Kyllburg
1638
zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, besitzt Catharina Salm die Mühle. Wie lange schon vorher ihre Voreltern, von denen sie spricht, die Mühle innehatten, war nicht zu ermitteln.
1642
erhält Valentin Malburg und seine künftige Ehefrau die Mühle. Die künftige Ehefrau dürfte wohl die Tochter der Catharina Salm gewesen sein, da letztere den Lehnsherrn gebeten hatte, eines ihrer Kinder zu belehnen, und die Weiterbelehnung an einen Erben üblich war
1681
betreiben Valentin Malburg und sein Sohn Niclas die Mühle
1703
Niclas Malburg
1714
Niclas Malburg und sein Sohn Johannes Bruno
1732
Maria Catharina, Witwe des Johannes Bruno Malburg
1742
Maria Catharina und Johann Michel Brantzel (2. Ehemann der Catharina)
1751
am 26. Januar heiraten Valentin Malburg, Sohn von Johannes Bruno Malburg, Schöffe, und Catharina Erasmi, Tochter von Robert Erasmi, Schöffe und Synodalis (= Sendschöffe) zu Kyllburg
1755
werden Michel Bransen und Valentin Malburg mit der Mühle belehnt. Nach dem frühen Tode ihres Ehemannes Valentin Malburg und ihres zweiten Ehemannes Lamperding heiratet Catharina in dritter Ehe
1761
Johann Peter Schmitt, Kyllburger Bürger, Schöffe des Hochgerichts zu Kyllburg und des brandenburgischen Grundgerichts zu Orsfeld
1764
werden Johann Peter u. Catharina Schmitt und erneut 1773 u. 1776 mit der Mühle belehnt, 1785 schließlich ad dies vitae, d.h. lebenslang
1792
stirbt Catharina Schmitt im Alter von etwa 66 Jahren. Ihr Ehemann Johann Peter Schmitt überlebte sie; wie lange, ist nicht bekannt
1803
ist sein Sohn Johannes Kyllburger Müller. Mit ihm ist die alte Müllerfamilie dahingegangen, denn im Jahre 1804 finden wir eine neue vor, die heute noch die Mühle betreibt und auf die wir noch zurückkommen

Die vorstehende Übersicht zeigt, dass die Mühle dem Müller zwar stets persönlich und jeweils als Lehen auf Lebenszeit oder auf eine bestimmte Zeit von Jahren übertragen wurde, aber dennoch innerhalb der Familie in gerader oder seitlicher Verwandtschaft verblieb. So lässt sich erkennen, dass mindestens zwei Jahrhunderte hindurch das Mühlenleben sich ununterbrochen in Familienerbfolge befand, wobei zu bemerken ist, dass der Müller Johann Peter Schmitt den erstgenannten Valentin Malburg als seinen Uraltvater bezeichnet. Diese stete Weiterbelehnung innerhalb einer Familie lässt auf ein beständig gutes Verhältnis zwischen dem Lehnsherren (also seit der Pfandverschreibung von Stadt und Amt Kyllburg im Jahre 1547 dem Domdechanten zu Trier) als Amtsherrn und den Mühlenleuten schließen.

Die Mühlenpacht war in normalen Zeiten durchaus erträglich und im Laufe der Jahrhunderte keinen wesentlichen Veränderungen unterworfen, wie folgende Gegenüberstellung zeigt:

 

Pachtentgelt 1543 1642 1776
an Weizen 8 Malter 8 Malter 8 Malter
an Roggen 8 Malter 8 Malter 8 Malter
an Geld 3 Radergulden 2 Radergulden 3 Radergulden
zu Weihnachten 1 Wastel
(oder 3 Alb)
1 Wastel
(oder 3 Alb)
1 Wastel
(oder 3 Alb)
zu Ostern 1 Brot
(oder 3 Alb)
50 Eier
1 Brot
(oder 3 Alb)
50 Eier
1 Brot
(oder 3 Alb)
50 Eier
1 Wastel
eine Art Weißbrot oder Kuchen
1 Alb
Albus = 5 10/16 Weißpfennig
1 Rthr.
Reichsthaler = 54 Albus

Gelegentliche Versuche des Lehnsherrn, die Pacht zu erhöhen, hatten stets nur vorübergehenden Erfolg, so z.B. auch die Forderung auf Lieferung von 24 Pfund guter Fische

Nach dem Ableben eines Mühleninhabers wurde die Mühle immer wieder von neuem durch eine Lehensurkunde auf den Nachfolger übertragen. Die Fassung solcher Belehnungsbriefe blieb im Laufe der Jahrhunderte im großen und ganzen dieselbe.

Die Lehensurkunde aus dem Jahre 1742 ist hier im Wortlaut wiedergegeben

 

Angesichts der von jeher großen Bedeutung des Müllereigewerbes für die Volksernährung reichte die Gerechtsame des Weistums nicht aus; es ergingen daher weitere Vorschriften. Sie sollten vor allem die Belange der Mühlenkunden schützen, die verständlicherweise wachsam und argwöhnisch auf reelle und zufriedenstellende Leistungen achteten. Der Müller war gehalten, ein ordentliches Buch zu führen, das zu mahlende Getreide auf seine Qualität zu prüfen und zu wiegen. das Gewicht unter Tag und Jahr und unter Beifügung des Namens von Mühlgast und Müller zu verzeichnen. Zu diesem Zweck sollte der Müller eine „richtige Waag“ in der Mühle halten. Dem Mahlgast musste das aus seiner eigenen Frucht hergestellte Mehl unverfälscht geliefert werden; die Frucht durfte nicht vertauscht werden, widrigenfalls der Müller, der auch für sein Gesinde und seine Hausgenossen geradezustehen hatte, den Schaden zu erstatten hatte und daneben sich schärfster Strafe aussetzte. Kein Mahlgast durfte ohne Not dem anderen vorgezogen werden, die zur Mühle gegebene Frucht musste längstens in drei oder vier Tagen gemahlen werden. Noch weitere Bestimmungen regelten die Pflichten des Müllers, vielfach bis ins kleinste

Oft musste der Müller schwere Zeiten durchstehen, wenn Pest, Hunger und Krieg wüteten, wenn Eisgang und Hochwasser große Schäden anrichteten, wie besonders während des Dreißigjährigen Krieges, in welcher Zeit Catharina Salm Müllerin zu Kyllburg war. In jener Zeit der großen Not, in den unglücklichen Jahren 1635, 1636 und 1637 entbrannte der Krieg heftiger als je. Kurfürst Christoph, dem das Wachsen der kaiserlichen Macht Sorgen bereitete, lehnte sich daher um so inniger an Frankreich an. Aber ein lothringischer Oberst an der Spitze wallonischer und deutscher Scharen, die aus den luxemburgischen Garnisonen kamen, überraschten den Kurfürsten in Trier und führten ihn in Gefangenschaft. Spanische Truppen breiteten sich aus und benahmen sich in den Ämtern Prüm, Schönecken und Kyllburg und anderen wie in Feindesland. Im Jahre 1637 mussten die Franzosen die von ihnen besetzte Festung Ehrenbreitstein übergeben. Aber auch nach ihrer Vertreibung brachte die Besatzung des Landes durch kaiserliche und verbündete Truppen keine besseren Zeiten. Hungersnot und Pest räumten gewaltig unter der Bevölkerung auf. Es war eine verworrene, stürmische und schreckensvolle Zeit.

Sie trifft hart auch die Kyllburger Müllerin. Catharina wendet sich deshalb an ihren Amts- und Lehnsherrn mit der Bitte, ihr beizustehen und die Mühlenpacht zu ermäßigen, da die Mahlwerte so stark abgenommen hätten; ein Drittel der Mahlleute lebe nicht mehr. Das sei für sie um so mehr niederdrückend und schädigend, als die Mahlleute zu Kyllburgweiler, Orsfeld, Wilsecker und Etteldorf seit dem „Lotharingischen Überfall und Verderben“ abgeschreckt worden seien, ihre Frucht, wie bis dahin nach Kyllburg zu bringen, und nunmehr in St. Thomas, Schloss Seinsfeld, Kail und Malberg mahlen ließen; was in der ganzen Woche einkomme, könne an einem Tage gemahlen werden. Zudem sei sie durch die Wintereinquartierung in zwei Jahren und durch Kriegskontributionen in unerträglicher Weise geschröpft worden, wobei durch die „Lothringisch Leuth“ die Mühle dermaßen ruiniert und verdorben worden sei, dass sie innen und außen instand gesetzt werden müsse; mit großen Unkosten habe sie bereits einen Teil ausgebessert und erneuert. Auch noch einer anderen Bitte möge der Amtsherr willfahren. Bei ihrem hohen Alter und angesichts der betrübten Kriegszeiten könne sie Müllerei und Haus mehr und mehr nur beschwerlich vorstehen. Deshalb und weil schon ihre Voreltern mit der Mühle belehnt worden seien, bitte sie um Neubelehnung eines ihrer Kinder.

Das vorstehend inhaltlich wiedergegebene Schreiben der Müllerin Salm trägt kein Datum. Es wird in der ersten Hälfte des Jahres 1638 geschrieben sein, wie sich aus einem Gutachten zweier Kyllburger Schöffen vom 2. Juni 1638 erkennen lässt, das der Amtsherr aus Anlass der Salmschen Eingabe angefordert hat. Dieses Gutachten bestätigt nicht allein die ungünstige Lage der Müllerin, den beschwerlichen Mühlenbau, die Arbeit am Wehr, wir erfahren darin auch, wie alle Einwohner in jeder Hausstatt, im Stift, Schloss, Städtlein und in den benachbarten Dörfern unter der damaligen Not, dem großen Sterben, dem Ausfall an Geburten und der durch den Krieg verursachten geringen Getreideernten litten, wie nur raue Frucht, meist „wilt Korn mit Speltz und haber“ untermischt, zur Mühle gebracht werden konnte. Im Hinblick auf die wohlbegründeten Anträge der Müllerin konnte man nicht umhin, Entgegenkommen zu zeigen

Aber es waren nicht nur Fehden, Kriege und ihre Folgen, die Stadt und Land und dann stets die Mühle im Laufe der Jahrhunderte heimsuchten; gar oft hatte die Mühle auch unter Eisgang und besonders Hochwasser zu leiden. Bitter beklagt sich Müller Schmitt über die Schäden durch den Riss des Mühlenwehres im Jahre 1765, über die großen Schäden, die im Winter 1784 und schließlich wiederum im Jahre 1789 Eis und Hochwasser der Mühle, dem Deich und Wehr verursacht hatten. Mit Rücksicht auf die hohen Aufwendungen, die der Müller aus eigenen Mitteln machen musste, erhielt er einen Bestand auf Lebenszeit und die Zusicherung, daß nach seinem Tode einem seiner Kinder der Bestand ebenmäßig erneuert werde. Das geschah dann später auch.

 

Bis ins 19. Jahrhundert hinein und bevor die Entwicklung der Technik den Mühlen andere Formen gab, war das Mühlengetriebe einfacher Konstruktion. Das für ihren Betrieb benötigte Wasser entnahm die Kyllburger Mühle der Kyll, führte es durch einen Graben der Mühle zu, wo man es von oben her auf die Schaufeln des Wasserrades fallen ließ (oberschlägige Mühle). Durch sein Gewicht setzte das Wasser dieses Rad, das Triebrad, und der an diesem befestigte Wellenbaum über Zahnräder die Mahlsteine in Bewegung, die dann die Getreidekörner zu Mehl zerrieben. Ursprünglich trieben Wasserrad und Wellenbaum nur einen Mahlgang. Später verstand man es, den Wellenbaum mit zwei Mahlgängen zu verbinden. Müller Schmitt verfügte sogar über drei Mahlgänge, wie sich aus seiner Neubeschaffung von sechs Mühlsteinen ergibt. In drei Mahlgängen hat dann die Mühle noch das 19. Jahrhundert hindurch bis zu ihrer Umstellung um die Jahrhundertwende ihr Mehl hergestellt

Bis zur französischen Fremdherrschaft gehörte die Kyllburger Mühle dem Erzbischof und Kurfürsten bzw. dem Domkapitel zu Trier, daher nicht nur kurfürstliche, sondern vielfach auch domdechantische Mühle genannt.

 

Im Jahre 1803 wurde die Mühle für 4075 Frs. = 1086 Thlr. versteigert; sie ging dabei in das Eigentum des Müllers Johann Müller zu Seffern über, der den Besitzübergang mit dem bisherigen Beständer (Pächter) durch eine Vereinbarung und Leistung noch besonders regelte.

Im Jahre 1804 ist Peter Müller (ein Sohn des Müllers in Seffern) im Besitz der Kyllburger Mühle, später dessen Sohn gleichen Namens. Des letzteren Tochter war mit Nikolaus Zahnen, einem Sohn des Lehrers in Seffern verheiratet. Durch diese Heirat ging die Mühle auf Nikolaus Zahnen und seine Nachkommen, die Mühlenbesitzer Georg Zahnen und seinen Sohn Josef über

Die Familie Zahnen (Müller) ist mithin heute fast 200 Jahre Eigentümerin des Mühlenbetriebes. Da sie auch größeren landwirtschaftlichen Besitz hatte, betrieb sie die Müllerei im 19. Jahrhundert nur im Nebengewerbe. So konnten zur damaligen Zeit etwa zehn Zentner Getreide je Tag vermahlen werden. Infolge der steigenden Ansprüche der Lebenshaltung einerseits und der sich immer mehr entwickelnden Technik im Müllereimaschinenbau war eine völlige Umgestaltung der Mahlanlage auf die Dauer nicht mehr zu umgehen. So entschlossen sich die damaligen Besitzer Nikolaus Zahnen und dessen Sohn Georg zur Errichtung des heutigen Mühlengebäudes. Die für diese Neuanlage notwendig gewordene elektrische Kraft wurde durch den Bau einer Wasserturbine gewonnen, die außerdem bis zum Jahre 1928 den Ort Kyllburg mit Licht- und Kraftstrom versorgte. Damit war die Entwicklung keineswegs abgeschlossen. Durch vergrößerte Mahlleistung und die hierdurch notwendig gewordene Ausweitung des Kundenkreises trat die Mühle immer mehr in den Wettbewerb mit entfernt liegenden Mühlenbetrieben. Erster Grundsatz musste daher sein: Höchste Leistungsfähigkeit – beste Qualität der Mahlerzeugnisse!

Eine Fülle von Erneuerungen und Vergrößerungen unterstrich dieses Prinzip: Bau eines Stahlsilos, Errichtung einer modernen Anlage zum Trocknen von Getreide. Das Ziel der bestmöglichen Vorbereitung des Getreides wurde durch die Schaffung einer umfassenden Reinigungsanlage erreicht. Die Lagerräume wurden erweitert und modernste Mischanlagen eingebaut

Infolge all dieser Verbesserungen vergrößerte sich der Kundenkreis immer mehr, so dass heute sämtliche Kreise des Regierungsbezirks Trier zur Dauerkundschaft gezählt werden. Das Ziel der besonderen Betreuung der angestammten Bauernkundschaft der Umgebung wurde trotz der Ausweitung der Handelsmüllerei niemals aus dem Auge gelassen, was dem seit jeher bestehenden Prinzip der Besitzer entspricht

Heute ist die Kyllburger Walzenmühle N. Zahnen und Sohn eine neuzeitlich eingerichtete vollautomatische Roggen- und Weizenmühle mit pneumatischer Passagenbeförderung. Während die meisten Mühlen im Kylltal im Laufe der Zeit ihren Betrieb einstellen mussten, gelang es der Kyllburger Mühle, durch viele Jahrhunderte hindurch sich zu behaupten und sich der neuen Zeit mit ihren technischen Errungenschaften anzupassen. Sie ist ein Unternehmen, das mit einem gewissen Stolz auf eine lange Geschichte zurückschauen kann, das von der kleinsten Wassermühle ältester Zeit über so viele Kriegs- und andere Notzeiten hinweg und ungeachtet der Abwärtsbewegung in der Müllerei sich, wie gewiss nur wenige, bis zur großen, neuen Walzenmühle entwickelte.

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