Chronik 1200 Jahre Kyllburg Örtlichkeiten

Die Deutung des Flurnamens „Hahn“

Chronik 1200 Jahre Kyllburg 800-2000 S.16-18

Quelle: Dr. Josef Hainz, Heimatkalender des Kreises Bitburg 1970

Ein umhegtes Grundstück, oft hinter dem Hause, dann auch im Walde, das der allgemeinen Nutzung entzogen war und das man durch Umzäunung gegen den Viehauftrieb zu schützen suchte, hieß ahd.: biuntaBeunde (abgeleitet von: biwanda.) Dieses Wort ist urgermanisch und heißt: Rodung, Hauswiese, Dorfleite, Obstgarten usw. Der Flurname Hahn steht dem Namen Beunde sprachgeschichtlich ganz nahe, ja er bezeichnet sogar das gleiche.

Der Flurname Hahn gehört auch zum ahd.: hagan – abgegrenzte Gemarkung, Dornstrauch, lebendige Hecke, Einfriedung mit Strauchwerk, Siedlungsfläche mit Einfriedung. Mittelhochdeutsch ergeben sich folgende Bedeutungen: hain = umhegter Platz usw. Seit dem 11. Jahrhundert taucht diese Bedeutung bei Rodungsnamen häufig auf. Siedlungen auf den Namen: -hagen, -hain, -hahn sind oft wieder eingegangen, sie gehörten also einer älteren Siedlungsperiode an.

Je später die Gründung einer Siedlung liegt, desto häufiger ist die Gefahr des Wüstwerdens, weil der spätere Ausbau immer ungünstiger gelegene Gebiete unter den Pflug nehmen mußte. Auffallend ist, daß hagen-Siedlungen oft Spottnamen annehmen, Namen von Haustieren wie: Ziege – Henne – Hahn usw

Die Flur- und Ortsnamen Hahn (hagen) sind im Rheinland recht häufig, schriftliche Quellen und Belege reichen bis ins 10. Jahrhundert zurück. Dabei fällt auf, daß die Flurnamen hahn und hagen oft gleiche geologische Beschaffenheit besitzen, also wohl auch gleiche siedlungsgeschichtliche Aufgaben erfüllten. Der Name hahn erscheint in den Urkunden der Rheinlande als: Hage, Hagen, Hag, Hahn, Hohn, Hain, Haan, Hon – Verkleinerungen: Hähnchen, Höhnchen. Die Grundbedeutung entspricht genau dem Vorhergehenden

Der Name hahn läßt sich auch zurückführen auf den Siedlungsplatz eines Hanno: der Hanno war der Verwalter einer Centene – Hundertschaft der freien Franken -, die immer im Neusiedlungsland angelegt wurde. In diesem Zusammenhang bekommt das Wort Hahn die Bedeutung: Festung, Burgbau, Fluchtburg.

In unsere Untersuchung können wir die Ortsnamenforschung des Ortes Hahnheim an der Selz, südlich von Mainz mit anführen. Die Villa Hagenheim war Eigentum des Grafen Hagano. Die Geschichte des Ortes wird auf einen Hagano vom Jahre 720 zurückgeführt. Dieser adelige Hagano war auch in der Umgebung reich begütert, er stiftete dem Orte eine Eigenkirche. Diese Hagen-namen gehören zur großfränkischen Aristokratie. Diese Sippe war auch im westlichen Rheingebiet reich begütert, sie ist mit der Sippe Adal in unserem Raume eng verwandt. Adelige Frauen mit diesen Namen waren die großzügigen Wohltäter von St. Maximin in Trier. Diese Sippe hat ständig versucht, ihren rheinfränkischen Besitz der Abtei zu Trier auszuweiten. Bekannt ist, dass Karl Martell zu dieser Zeit dem linken Mittelrheingebiet durch längere Aufenthalte eine große Aufmerksamkeit schenkte. Unter seinem Schutz fand im 8. Jahrhundert die Verehrung des heiligen Lambertus bei uns Eingang.

Der Flurname „hahn“ als Siedlungsfläche einer fränkischen Hundertschaft

Die Centene ist die Niederlassung im Königslande, die centene oder, hagen sind Neuschöpfungen des fränkischen Siedlungswesens. Die Centene tritt als volksmäßige Siedlung, als neue huntori hervor. Wo die huntori erscheint, ist die fränkische Hufe bereits vorhanden, oder sie ist gerade im Entstehen. Daraus ergibt sich, daß die Centene eine Neubesiedlung im Eroberungsgebiet ist, die mit der Bildung der Hufe Hand in Hand geht. Huno ist der Ausdruck für den Centurio, diese Bezeichnungen entstammen dem Kapitulare Dagoberts I. Der Dekanus ist Vorsteher einer königlichen Villa (eines Dorfes). Der Dekanus ist also ein untergeordneter königlicher Beamter in der Villa. Diese Rechtsordnung trat überall in Kraft, wo fränkische königliche Beamte in Tätigkeit traten. Wenn wir diese Rechtsordnung auf den Raum Kyllburg übertragen, so wäre folgende Deutung möglich:

Am Kyllberg war der Sitz des Hanno, die im Raume Kyllburg entstandenen kleineren Grundherrschaften standen unter der Leitung eines Dekanes. Der Name hahn bedeutet in allen germanischen Sprachen: ständiger Wohnsitz, eigenes Haus und Hof, Dorf: kurz ein Ort, wo mehrere Menschen rechtlich beheimatet waren. Diese Auslegung des Flurnamens Hahn würde zum Ergebnis führen, daß der Stiftsberg von Kyllburg die Wohnstätte eines fränkischen Hanno war.

Wenn wir Flurnamen mit den gleichen Bedeutungen im Kreisgebiet untersuchen, so kommen wir etwa zum gleichen Ergebnis. Vergleichbare Flurnamen sind: Honersberg, Hühnerberg, Hunnenkopf. Seit langem ist die Heimatforschung der Meinung, daß diese drei Flurnamen von Hanno abgeleitet werden dürfen.

Alle drei Höhenzüge liegen am Rande des Altsiedlungsgebietes. Um den Berg herum finden wir eine Häufung von Villen, die nicht mehr der fränkischen Landnahmezeit auf: -ingen, -heim, -dorf angehören, sondern der merowingischen Ausbauzeit. Bekanntlich hat jede Siedlungsepoche ihre Leitnamen, obwohl in diesem Raum auch andere Namen vorkommen können. Der Ortsname -hof = Pl.-Wort: hova = Grundwort der Siedlungsgeschichte aus dem 8. Jahrhundert, im 9. Jahrhundert kommt es am häufigsten vor, im 10. Jahrhundert verschwindet es. Ursprünglich ist -hof wohl für den Herrenhof aufgekommen, es hat sich oft mit -hausen berührt.

Der Flurname Hühnerberg ist abgeleitet vom hernie (9. bis 10. Jahrhundert), dieser Flurname wurde bei der fränkischen Markensetzung eingeführt. Seine Bedeutung ist: spitz auslaufender Berg, Flurteil: Hor – hurnie = hahn – hagen. Seine Entstehung dürfen wir ins 9. Jahrhundert setzen.

Ortsnamen im Raume Kyllburg

Kyllburgweiler ist ein passendes Beispiel für einen bei einem Herrensitz (Kyllburg) entstandenen Ort -weiler. Wir nehmen Kyllburg als Herrensitz an, weil Weiler-Orte meist römische und fränkische Fundstellen aufweisen; die Weiler-Orte liegen meist an Urwegen, die bis in die Römerzeit zurückreichen. Villae heißen Ländereien, die zu einem Herrensitz gehörten, diese Dörfer wurden in engster Verbindung mit dem Herrensitz angelegt: Kyllburgweiler. Die -dorf Namen gehören dem 8. Jahrhundert an: Etteldorf. Die Ortsnamen -feld gehören ebenso ins 8. Jahrhundert: Orsfeld, Seinsfeld, Wilsecker. Die Ortsnamen -berg, -burg können wir ebenso ins 8. Jahrhundert setzen: Kiliberg (Kyllburg) und Malberg. Der Ortsname Burgberg entstand zunächst für Anlagen, die als Fluchtburgen gedacht waren (Burgberg bei St. Johann)

Burgburium – ist eine Ableitung von Berg, dazu gehört aus der gleichen Zeit das althochdeutsche hagan:

Diese Bezeichnung hagan taucht zur gleichen Zeit als Rodungsname für burgiumberg auf. Als Beispiel können wir die 150 hagen-Namen in Hessen heranziehen

 

Deutungsversuch einiger Flurnamen im Bereich des Hahn

Borkyll Steilweg
Dieser Steilweg führt vom Burgberg über die Kyll zum gegenüberliegenden Berghang in Richtung Malberg. Die Deutung ist wohl: Seite des Burgberges, die näher am Fluß lag, denn borg – borgh ist der älteste Ausdruck für Burg.
Hahnstede
Das gallorömische Lehnwort castellum – castell könnte darin enthalten sein. Der Flurname Stede bezeichnet immer einen Teil einer Flur. Auffallenderweise ist dieser Teilflurname im Volksmund von Kyllburg erhalten geblieben. Eine genaue Lokalisierung können wir nicht wagen.
Hahn-camp
Hahn-camp bedeutet wohl die gesamte wirtschaftlich genutzte Fläche auf dem Stiftsberg. Der Volksmund lokalisierte diesen Teilflurnamen im Bereich des katholischen Pfarramtes und des ehemaligen Krankenhauses. Diese Fläche ist für den Gartenbau gut geeignet.
Hahnen-pech: Garten-, Weidefläche.
Dieser Flurteil ist gut lokalisiert, er liegt am Osthang. Diese drei Teilflurnamen: -stad, -camp, -pech enthalten alle Hinweise auf älteste Besiedlung des Hahns. Sie bedingen und beweisen eine genaue Einteilung nach den Möglichkeiten einer wirtschaftlichen oder baulichen Nutzung.

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