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Der Springbrunnen am Marktplatz

Am 1. Mai 1978 wurde bei strömendem Regen ein neuer Attraktivierungspunkt im Zentrum der Eifelgemeinde Kyllburg feierlich eingeweiht – der Springbrunnen. Da wir damals noch bei „Tant‘ Maria (Daufenbach)“ im Karl-Kaufmann-Weg wohnten und der Weg bis zum Marktplatz für einen fast Fünfjährigen eine Weltreise darstellte, war ich nicht persönlich anwesend bei der Einweihung, und wahrscheinlich könnte ich mich auch gar nicht mehr daran erinnern. Dennoch hat gerade dieser Springbrunnen für meine weitere Kindheit einen besonderen Stellenwert. Der Marktplatz-Brunnen, umgeben von Sträuchern, Hecken, Rosen und allerlei sonstigen Pflanzungen war nicht der erste Springbrunnen in Kyllburg. Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, gab es früher eine Wasserspiel im Rosengärtchen gegenüber der Sparkasse, auch im Garten des Eifeler Hofs sprudelte viele Jahrzehnte munter eine Fontäne, und eine weitere Wasserspritzanlage geisirte im Schwimmbad.

Alles mitunter herrlich anzusehen, jedoch der Springbrunnen am Marktplatz war für uns Kinder damals etwas ganz besonderes. Es gab nichts schöneres, als im Sommer das Becken für eine Abkühlung zu nutzen. Wasserschlachten waren an der Tagesordnung. Es wurde sich auf das Ausströmrohr gesetzt und das Wasser spritzte herrlich in alle Richtungen. Jedoch musste man stets auf der Hut vor den Stadtarbeitern sein. Regelmäßig vermieste uns Fischers Toni das fröhliche Treiben. Ja, die Stadtarbeiter mussten selbstverständlich mehrmals täglich die Anlage kontrollieren, es wäre nicht das erste mal, dass da etwas manipuliert wurde. Regelmäßig, meist in der Hexennacht, aber auch während des Kir(s)chenfestes, so hieß die Kirmes zeitweise, wurde der Springbrunnen für diverse „Experimente“, die Veränderung der Oberflächenspannung von Wasser betreffend, missbraucht. So manche brave Hausfrau vermisste tags drauf das ein oder andere 10 Kilo Paket Persil, das sich in stark überdosierter, aufgelöster Form im Springbrunnen wiederfand. Berghoch stapelte sich dann der Seifenschaum. Man munkelt, dass diese Schaumparadiese Vorbild für die legendären 90er-Jahre-Schaumpartys auf dem Sportplatz gewesen wären. Ob und inwieweit der persönliche Erfahrungsschatz der SVK-Verantwortlichen in diese Events geflossen ist, ist historisch nicht zu belegen, da die Schuldigen für die Überschäumung des Marktplatzes ihre Taten gern für sich behielten.

Im Umfeld des Springbrunnens wurden damals drei Ahornbäume gepflanzt, an denen wir Kinder gerne unsere Kletterkünste ausprobierten. Die Früchte dieser Bäume zierten regelmäßig unsere Nasen und verwandelten uns in Ahorn-Nashörner. Hinter den Bäumen gab es eine Art Waschbecken mit eiskaltem Wasser in das man seine Unterarme tauchen konnte. Das hatte irgendwas mit Kneipp-Kur und Gesundheit zu tun, für uns bot es jedoch die Gelegenheit zu diversen Wettbewerben – wer kann seinen Arm am längsten im Wasser lassen? Das Armbecken war auch das Habitat einer Kolonie Wasserläufer. Da diese possierlichen Wanzen eindrucksvoll die Existenz der Oberflächenspannung von Wasser demonstrierten, erfüllte die Springbrunnenanlage somit auch einen, nicht ursprünglich eingeplanten, Bildungsauftrag.

Ich weiß nicht wie viele Tage wir insgesamt damals am Springbrunnen verbrachten, aber es müssen im Lauf der Jahre hunderte gewesen sein. Der Springbrunnen war das Symbol einer unbeschwerten Kindheit. Umso mehr war ich schockiert, als 1997 die Bagger anrollten und dem einstigen Idyll den Garaus machten. Die Anlage fiel dem Neubau der Umgehungsstraße (Malberger Straße-Marktplatz) zum Opfer. Im Zuge dieses Neubaus verschwand ein weiterer Spielplatz meiner Kindheit: das Baumhaus. Es war auf einem Baum, ich denke es könnte eine riesige Eibe gewesen sein, die etwa dort stand, wo heute die Brücke Richtung Malberger Straße beginnt. Wer das Baumhaus ursprünglich angelegt hat ist mir nicht bekannt, aber unsere Generation hat es bereitwillig von seinen Vorgängern übernommen, gepflegt und ausgebaut.

Springbrunnen und Baumhaus gehörten zu einer Reihe Plätzen meiner Kindheit, die heute nicht mehr existieren. Es gab noch weitere: der Indianerwald im Hahn und das Hexenwäldchen, hinter den Häusern von Frau Pfeffermann und Stadtfelds, fallen mir da spontan ein. Auch die „Katakomben“ unter der Eifeler-Hof-Terrasse waren für manches Abenteuer gut. Aber es gibt sicherlich noch weitere. Ich würde mich freuen, wenn ihr Kommentare zu euren Plätzen der Kindheit hier hinterlasst. Es wird interessant sein zu lesen, welche Plätze für welche Generation von Bedeutung waren.

Ich werde die Reihe mit besonderen Orten bei Gelegenheit fortsetzen, mit den Plätzen meiner Jugend. Stichwort: Jugendheim und Gummiecke. Doch dazu später mehr.

Nachtrag: Mittlerweile habe ich herausgefunden was die Brunnenanlage damals kostete. Es waren rund 33.000 DM, zuzüglich 4.000 DM für das Armbecken.

1 Kommentar

  • Also den Springbrunnen am Marktplatz kannte ich zwar noch, aber da hab ich nicht mehr so viel von mit bekommen.
    Meine Plätze der Jugend waren die Gummiecke, die Parkanlage vom Eifeler Hof, als es die noch gab, als Kind natürlich der Indianerwald, Dussy’s internetcafe, der Jugendraum beim Tennisplatz und diese „Aussichtsplattform“ unter der Brücke der Parkstraße.
    Sonst fällt mir gerade kein Ort mehr ein.

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