Chronik 1200 Jahre Kyllburg Örtlichkeiten

Das St. Josef-Krankenhaus

Agnes Friderichs und Wilhelm Poß

Es begann mit einer Erbschaft

Der Kyllburger Apotheker Friedrich Wilhelm Hess vererbte in seinem Testament am 20. Dezember 1886 sein Haus und den umliegenden Garten (4 Morgen) auf dem Stift der katholischen Pfarrgemeinde Kyllburg mit der Auflage, an dieser Stelle ein „Klösterchen für Krankenpflege“1) zu errichten. Der Kirchenvorstand stellte an die „hohe Königliche Regierung zu Trier“ ein „Gesuch um Genemigung und Erwirkung der Landesherrlichen Ermächtigung zur Annahme des Legates.“

Anschließend wurde die Bischöfliche Behörde in Trier um „geneigte Genehmigung dieser Schenkung“ im Wert von 4500 Mark gebeten. Im o. g. Sitzungsprotokoll des Kirchenvostandes wird eigens erwähnt, daß alle Mitglieder teilnahmen. Es waren dies:

  • Jacob Kronibus als Vorsitzender,
  • Franz Brantzen als stellvertretender Vorsitzender,
  • die Herren Nikolaus Lucas, Nicolaus Meyers, Jacob Schmitt und Pfarrer und Definitor C. Müller

Am 9. Oktober 1889 genehmigte „das Ministerium der geistlichen Unterrichts und Medizinal Angelegenheiten“ in Berlin, daß in Kyllburg eine „neue Niederlassung der Genossenschaft der Franziskanerinnen aus dem Mutterhaus Waldbreitbach behufs Ausübung der Krankenpflege errichtet werde“.

  1. Sitzungsprotokoll des Kirchenvorstandes vom 4. Februar 1888
  2. Sitzungsprotokoll des Kirchenvorstandes vom 10. März 1889
  3. Niederschrift von Pastor und Definitor C. Müller

Kyllburg hat ein Krankenhaus

„Am 12. Februar 1890 Nachmittags mit dem Zug 3 Uhr 45 Min. sind hier die Schwestern aus dem Kloster Marienhaus in Waldbreitbach angekommen, um sich hier niederzulassen.“ So berichtet Pastor Müller in einer Niederschrift.

Damals begann für Kyllburg und Umgebung ein außerordentlich segensreiches Wirken der Ordensschwestern und der Kyllburger Ärzte, das bis zum Jahre 1973 andauern sollte.

Die Franziskanerinnen bauten im Jahre 1900 ein für die damalige Zeit großes und modernes Bettenhaus, das auch die Verwaltungsräume, die Küche und eine Kapelle enthielt. Im „alten“ Gebäude, dem ehemaligen Wohnhaus des Apothekers Hess, waren Behandlungsräume und sogar ein Operationssaal untergebracht, in denen die Kyllburger Ärzte die stationären Behandlungen durchführten. Manche ältere Kyllburger Bürger werden sich noch mit gemischten Gefühlen daran erinnern, daß sie gelegentlich nach dem Gottesdienstbesuch in der Stiftskirche gebeten wurden, eben mal anzupacken, um einen Frisch-Operierten vom OP in das Bettenhaus zu „bugsieren.“
Die Überlebensquote tendierte gegen 100% – Anmerkung des Verfassers

Später wurde ein weiteres Gebäude, die „Villa Westberg“ vom Krankenhausträger übernommen.

Nach einer Krankenhaus-Reformgesetzgebung dienten die Gebäude von 1968 bis 1973 als Erholungsheim, dann verließen die letzten Franziskaner-Schwestern Kyllburg.

 

Die Katholische Landvolkhochschule „St. Thomas“ zieht nach Kyllburg um

Verhandlungen mit dem Bistum Trier über eine künftige Verwendung der Gebäulichkeiten führten am 12. Mai 1973 zu dem erfreulichen Egebnis:

Die Katholische Landvolkhochschule, die bisher im Bischöflichen Priesterhaus St. Thomas untergebracht war, wird nach Kyllburg verlegt.

Nach umfangreichen Um- und Neubauten (Tagungs- und Speiseräume, moderne Küche, Gästezimmer, Lift,) erfolgte am 10. August 1974 der Umzug der Landvolkhochschule auf den Kyllburger Stiftsberg und am 24. September 74 trafen die ersten Kursteilnehmer als Gäste in dieser bedeutenden Bildungsstätte des Bistums Trier ein.

Weitere Umbauphasen und eine „Generalsanierung“ erfolgten Anfang der 90er Jahre, so daß der rührige Direktor Josef Camp (1969-1993) seinem Nachfolger Rudolf Meyer im Oktober 1993 ein funktionell und komfortmäßig intaktes Haus übergeben konnte.

Das Ziel der Kath. Landvolkhochschule war es,

“ …vor allem jungen Menschen eine Fortbildung zu ermöglichen, damit sie fähig werden, in verantwortungsbewußter Weise aus christlicher Sicht das öffentliche, kulturelle, politische und soziale Leben mitzutragen“….Heute ist die Katholische Landvolkhochschule in Kyllburg ein Haus der Erwachsenenbildung mit Angeboten für alle Altersgruppen. Träger der Einrichtung ist das Bistum Trier…Die Kath. LVHS steht als modernes Bildungshaus auch Gastgruppen …zur Verfügung.
Dankenswerterweise stellt die KLVHS ihre Räumlichkeiten für kirchliche und weltliche Feiern immer wieder zur Verfügung.

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