Chronik 1200 Jahre Kyllburg

1922/1923 Notgeld und Inflation

Der Verschönerungsverein Kyllburg, eine Ortsgruppe des Eifelvereins, gab am 1. Februar 1922 zwei Serienscheine in den Nominalien 50 und 75 Pfennig heraus.

Die beiden Scheine sind bei Schaar & Dathe in Trier gedruckt und wohl vom firmeneigenen Grafiker entworfen worden. Winzige Initialien auf gleichartigen Bernkasteler Scheinen könnten auf Professor August Trümper hinweisen, der an der Trierer Kunstgewerbeschule lehrte.

Die Scheine sind sehr bildhaft angelegt. Der mehrfach unterteilte Schein hat die Größe von 8,6 x 5,8 cm. Unter einer Bordüre von stilisierten (Lorbeer-) Blättern das Nominal 50 Pfennig. In den senkrechten Seitenfeldern erkennen wir die Symbole von Post und Bahn (links). Im Mittelfeld des Scheines gibt sich der Herausgeber, der „Verschönerungsverein Kyllburg“ zu erkennen, der eine nicht ganz ernst zu nehmende Verpflichtung zur Abnahme dieser Scheine aussprach: „Alle Mitglieder des Vereins sind verpflichtet, diesen Gutschein in Zahlung zu nehmen“

Der Schein ist von drei Vertretern des Vereins unterzeichnet:

  • C. Dasbach (Bahnmeister in Kyllburg)
  • A. Friderichs (Gerbereibesitzer)
  • G. Zahnen (Mühlenbesitzer)

Im unteren Feld ist die Gültigkeitsdauer des Scheines festgehalten: „Der Schein verliert seine Gültigkeit einen Monat nach Aufkündigung in der Kyllburger Zeitung“

Auf der Rückseite des Scheines stellt sich der „Luftkurort Kyllburg“ in einer malerischen Ansicht, den Kiliberg ansteigend bis zur Burganlage, vor. Das linke Wappen weist auf den Trierer Erzbischof Johann Von Schönenberg hin (1581-1599), das rechte Wappen ist das Stadtwappen von Kyllburg mit der alten Marien-Stiftskirche.

Das Gedicht im unteren Feld des Scheines nimmt Bezug auf die alte römisch-mittelalterliche Vergangenheit von Kyllburg:

„Kiliberg, du altes castrum
aus längst entschwundener Zeit,
Später als des Friedens Stätte,
wardst Marien du geweiht;
Heute bist in Ost und Westen
du als Kurort hoch geehrt,
Biet auch fürder deinen Gästen,
deutsches Heim am deutschen Herd“

Der Schein ist in verschiedenen Brauntönen mit schwarzen Lettern gedruckt. Es gibt auch eine Variante mit grüner Rückseite.

Der Schein ist in Größe und Aufbau dem 50-Pfennig-Schein ähnlich. In den Wappenfeldern der Vorderseite sind Symbole von Landwirtschaft: Ähren, Rechen, Sense (links) und von Handwerk und Industrie: Zahnrad, Hammer, Zange (rechts) zu sehen. Man denkt dabei auch an die benachbarte Malberger Hütte und die Eifeler Matallwarenfabrik.

Die Rückseite ist dem legendären Ritter Cuno und seiner Burg Malberg gewidmet. Vom Ritter Cuno berichten auch die Malberger Serienscheine von 1922.

Auf diesem Schein von Kyllburg wird der Ritter Cuno, der sonst vor nichts Schrecken hatte und als wilder Geselle bekannt war, mit den 1922 herrschenden schlechten Zeiten in Verbindung gebracht, vor denen auch er Angst bekommen hätte. Über dem breitbeinig stehenden Ritter das Wappen Veyder-Malberg mit den Bären im 1. Und 4. Feld und den roten Schilchen im 2. Und 3. Feld. Unter der Ansicht von Ort und Burg Malberg wieder ein kleines Gedicht:

Herr Cuno im trutzigen Bergesneste,
War niemals erschreckbar, doch tapfer und feste,
Wird man ihn zum Leben jetzt wieder erwecken,
Von den heutigen Zeiten, bekäm er doch Schrecken.

Dieser Schein zu 75 Pfennig ist von einem hellen Grün mit schwarzem Druck. Eine Variante hat eine braune Rückseite.

Schaar und Dathe war im Gelddrucken eine erfahrene Firma, die durch zufällige Varianten auch das Sammeln der Scheine förderte.

Bei dieser Gelegenheit sollte betont werden, daß die oft geschmähten Serienscheine generell viel Kulturgeschichtliches von den Ausgabeorten mitteilten und damit, abgesehen von ihrem Geldwert, für ihre Städte und Gemeinden ein recht preiswerter und ansprechender Werbetäger waren.

Im Juli 1922 hat die Regierung die Ausgabe von Notgeld durch öffentliche Körperschaften untersagt.

Im Jahre 1923 stieg die Inflation zu schwindelnder Höhe. Im November erreichte sie ihren Höhepunkt und ihr Ende: Am 22. November 1923 kostete ein Brot 2 Billionen, 200 Milliarden Mark. Zur gleichen Zeit wurde dann die Mark stabilisiert: Eine Billion Reichsmark, (geschrieben 1 000 000 000 000) waren noch 1 Rentenmark wert.

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