Örtlichkeiten

1913 Werbebrief des Eifeler Hofs

Die schönen, waldigen Mittelgebirge Deutschlands finden neben den alttraditionellen Kurorten an der See und in den Alpenländern jetzt immer mehr Anerkennung; ein von Jahr zu Jahr stärker werdender Strom von Erholungsbedürftigen ergiesst sich jeden Sommer und Herbst nach den Kurorten Thüringens, der Vogesen, des Schwarzwaldes und seit zwei Jahrzehnten in steigendem Masse auch in die Eifel. Und das mit vollem Recht! Sind doch gerade diese mittleren Höhenlagen, wie von den Ärzten allseitig anerkannt wird, für Nervöse und Abgearbeitete die gesundheitlich zuträglichsten. Die Eifel, eines der an landschaftlicher Schönheit und abwechselungsvollen Naturbildern reichsten Gebirgsländer Westdeutschlands, wird jetzt, nachdem durch bessere Bahnlinien leichtere Verkehrsgelegenheit in ihr Inneres geschaffen, von Jahr zu Jahr mehr von Erholungsbedürftigen besucht. Das Eifelland ist besonders für die Bewohner des rheinisch – westfälischen Industriegebietes wie des benachbarten Hollands eine leicht er reichbare, unerschöpfliche Schatzkammer von Waldfrische und reiner Bergluft geworden. Der meistbesuchte und auch am leichtesten erreichbare Kurort der ganzen Eifel ist unstreitig Kyllburg. An der Eifelbahn Köln-Trier gelegen, ist Kyllburg von Köln aus mit den Schnellzügen in zwei Stunden vierzig Minuten zu erreichen.

Der ca. 1100 Einwohner zählende Ort ist von der silberhellen, forellenreichen Kyll durchflossen und baut sich in herrlicher Lage an dem von einem mächtigen Bergfried und der schönen gotischen Stiftskirche gekrönten Burgberge auf. Mitten in einem Talkessel gelegen, dessen überragende Wände mit prächtigen Buchenwäldern und terrassenförmig sich aufbauenden Gärten bestanden sind, gewährt Kyllburg einen einzig schönen Anblick. Der bis dicht an den Ort heranreichende Wald ist von einem Netze staubfreier, meistens ebener oder nur wenig steigender Fusspfade durchzogen, die mit zahlreichen Ruhebänken versehen sind. Die nähere und nächste Umgebung Kyllburgs ist reich an abwechselungsreichen, schönen Spaziergängen, teils durch Wald, teils durch’s schöne Wiesental am Ufer der Kyll. überall ist für gute Wegemarkierung und Sitzgelegenheit in genügendem Masse seitens der Kurverwaltung gesorgt. In Kyllburg kommt sowohl der wander frohe, wie auch der bequeme, nur gute Luft suchende Gast auf seine Rechnung. Die Glanzpunkte der vulkanischen Eifel, Manderscheid, Daun und Gerolstein, ferner das alte Trier mit dem schönen Moseltal, die luxemburgische Schweiz etc. lassen sich alle von Kyllburg aus sowohl zu fuss wie auch mit der Bahn oder mittelst Wagen bequem in Tagestouren besuchen.

Hauptvorzüge Kyllburgs sind: die Nähe des Waldes, die Möglichkeit zu bequemen, mühelosen Wanderungen, das schnelle Trocknen der Wege, die auch nach dem heftigsten Regen sofort wjeder begehbar sind, und – last not least – seine reine, schöne Luft. Rauhen Winden wird durch die höhergelegenen Bergwände der Zutritt verwehrt; anderseits bewirken die ringsumliegenden Wälder und der in zahllosen Windungen Kyllburg umfliessende Kyllfluss, dass es nicht zu heiss wird; auch in der glühendsten Julihitze herrscht in Kyllburg abends und nachts eine wohltuende Kühle. Kyllburg hat ein mildes, aber auch zugleich erfrischendes Höhenklima. Der günstige Einfluss dieser Faktoren auf den menschlichen Körper macht sich rasch geltend; der Stoffwechsel wird gesteigert, die Esslust vermehrt, die Blutmasse erfrischt, das Muskel- und Nervensystem gekräftigt und die Leistungsfähigkeit erhöht. für Rekonvaleszenten, sowie alle an Appetitlosigkeit, Verdauungs- und Nervenschwäche, sowie Blutarmut Leidenden ist Kyllburg von überraschend günstiger Heilwirkung. Eine angenehme Sommerfrische bietet Kyllburg aber auch für Gesunde, die infolge Überanstrengung von Körper und Geist der Erholung bedürfen und, von den Berufsgeschäften ermüdet, allein oder im Kreise ihrer Familie in Berg- und Waldesstille körperliche und geistige Kräftigung suchen. Wer den Lärm, die grosse unruhige Welt fliehen will, dem kann Kyllburg mit seiner reinen, ausgezeichneten, milden Luft, seiner geschützten Lage und seiner absoluten Ruhe nur empfohlen werden.

Die Kurverwaltung lässt an einem Tage der Woche vormittags und nachmittags eine Trierer Militärkapelle in den schönen Anlagen des „Hahn“ konzertieren, sorgt für die Unterhaltung und Neuanlegung von Spazierpfaden, Unterkunftsräumen, Bänken etc. Als kleinen Beitrag zu den ihr dadurch erwachsenden Kosten erhebt sie von den länger wie 5 Tage in Kyllburg weilenden Kurgästen eine einmalige Kurtaxe von Mark 2.50 für Erwachsene und von Mark 1.- für Kinder unter zehn Jahren und Bedienstete. für grössere Familien werden Familienkarten zum Gesamtpreise von Mark 6.- verausgabt. Ärzte sind von der Zahlung der Kurtaxe befreit. Im Orte findet täglich katholischer und an den Sonntagen der Hauptsaison auch protestantischer Gottesdienst statt. Es sind zwei Ärzte in Kyllburg ansässig, eine Apotheke ist ebenfalls vorhanden. Kyllburg verfügt über eine gute Quellwasserleitung. Das Postamt ist an das grosse Fernsprechnetz angeschlossen.

Für Aufnahme und Verpflegung ist bestens gesorgt im Hotel Eifeler Hof, dem grössten und vornehmsten Etablissement der Eifel. Erbaut im Jahre 1890, von Jahr zu Jahr durch Um- und Anbauten erweitert und verschönert, zuletzt im Jahre 1911, umfasst das Hotel mit den Dependancen jetzt 130 Zimmer mit ca. 200 Betten.
Für Familien und besonders ruheliebende Gäste stehen auch noch weitere 100 Betten in benachbarten besteingerichteten Privatwohnungen zur Verfügung, die vom Hotel für die Saison zugemietet werden. Das Hotel ist massiv gebaut und mit allem Komfort der Neuzeit eingerichtet. Es hat elektrisches Licht in allen Zimmern, Zentralheizung und Badegelegenheit auf jeder Etage. Die Zimmer sind zweckentsprechend möbliert und mit guten Betten versehen. Eine Reihe von Zimmern besitzen Balkon und die meisten haben einen schönen Ausblick ins Kylltal und auf die umgebenden Höhen. Das Hotel verfügt über große Speisesäle, hübschen Wintergarten, grosse, gedeckte, eine schöne Aussicht bietende Frühstückshalle, gedeckte und offene Veranden und Terrassen, grosse Gesellschaftssäle, Restaurationsräume, Billardzimmer etc. Alle Räume sind schön eingerichtet und in jeder Hinsicht eines erstklassigen Hotels würdig. Grosser schattiger Garten dicht am Hause, Kinderspielplatz, Lawntennisplatz u.s.w. Die von dem Hotel auf eine Länge von 20 km gepachtete Fischerei in der Kyll steht den Hotelgästen unentgeltlich zur Verfügung. Jagdgelegenheit ist gleichfalls geboten.

Pensionspreise: Bei achttägigem Aufenthalte treten Pensionspreise ein. Sie betragen nach Lage und Grösse der Zimmer Rm. 5.- bis 7.- pro Tag und Person. In diesen Preisen ist einbegriffen Zimmer nebst voller Verpflegung, letztere bestehend aus :
Frühstück (Kaffee, Thee oder Schokolade mit Brot, Butter, Honig und Marmelade),
Mittagessen, Table d’hôte (Suppe, drei Gänge und Nachtisch) und
Abendessen, Table d’hôte (zwei Gänge und Käse).
Für elektrisches Licht wird pro Woche und Zimmer Rm. 1.- berechnet. Bedienung nach Belieben. Falls mittags und abends à part serviert wird, so muss ein Zuschlag von 50 Pfg. pro Person und Mahlzeit in Anrechnung gebracht werden. Für Kinder unter 10 Jahren beträgt im allgemeinen der Pensionspreis Rm. 3.50 pro Tag; für Kinder jedoch, welche an der Tafel mit speisen und ein grosses Bett beanspruchen, wird ein höherer Pensionspreis nach Vereinbarung berechnet. Der Pensionspreis für Dienerschaft beträgt pro Tag Rm. 3.50; werden jedoch hinsichtlich des Zimmers etc. besondere Ansprüche gestellt, so ist ein entsprechend höherer Pensionspreis festzusetzen. Für Mahlzeiten, im Zimmer serviert, wird Service berechnet, und zwar für das Frühstück 0.50, Mittagessen 0.75 und Abendessen 0.50 Rm. Bei Ausflügen wer den für ein nicht eingenommenes Mittagessen Rm. 1.50 in Abzug gebracht, falls die Abbestellung bis 9 Uhr morgens erfolgt; für Nichteinnahme von Frühstück und Abendessen kann jedoch nichts vergütet werden. Im Juli und August werden die verehrten Gäste höflichst gebeten, ihre Abreise fünf Tage vorher auf dem Bureau anzumelden.
Anerkannt gute Küche; reine, gutgehaltene Weine; eigene Konditorei; im Restaurant Münchener, Pilsener , und Bitburger Bier.
Zu jeder weitern Auskunft gern bereit, verbleibe ich

hochachtungsvoll!

WILH. SCHULTE.

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