Chronik 1200 Jahre Kyllburg

1871 Eröffnung der Eifelbahn Trier – Köln

Bereits im Jahre 1856 wurde mit den ersten Vermessungsarbeiten zum Bau einer Eisenbahnlinie Trier – Call begonnen. Nachdem zehn Jahre später die Arbeiten ausgeführt waren, aber mit dem Bau der Eisenbahnlinie nicht begonnen wurde, reichten die Gemeinden Kyllburg und Malberg am 5. Dez. 1866 eine Petition an das hohe Haus der Preußischen Abgeodneten ein.

Der Wortlaut ist hier wiedergegeben:

Kyllburg und Malberg den 5/12/66: II. 100

Petition der Gemeinden Kyllburg und
Malberg, Eifel, Regierungs-Bez. Trier

Überreicht durch den Abgeordneten
Andre
Berlin 5/12/66

An das hohe Haus
der Preußischen Abgeordneten
zu Berlin

die gehorsamst Unterzeichneten, der vollen Zustimmung sämtlicher Einwohner der beiden Ortschaften Kyllburg und Malberg versichert, erlauben sich in deren Namen an das hohe Haus der Abgeordneten folgende dringende Petition zu richten:

Das hohe Haus der Abgeordneten möge die Königliche Staatsregierung auffordern, auf Mittel und Wege bedacht zu sein, daß die Ausführung des bereits seit langen Jahren schwebenden Projektes einer Eisenbahn von Trier nach Call durch die Eifel, nachdem jetzt die Vorarbeiten dazu beendet sind, auch schleunigst und ernstlich in Angriff genommen werden.

Motive

Zehn Jahre sind schon verflossen, seitdem die ersten Versuchs-Messungen zu der die Eifel so wichtigen Eisenbahn von Trier nach Call angestellt wurden.

Mehrere Jahre ruhten dieselben gänzlich und erst in den beiden letzten Jahren sind die Vorarbeiten ernstlich aufgenommen und zum Abschluß gebracht worden, und dennoch hat bis jetzt der Bau der Bahn noch nicht begonnen. Die im Publikum und vielen Zeitungen umlaufenden Gerüchte bezeichnen die Inangriffnahme des Baues als in noch sehr weite Ferne gerückt. Diese Gerüchte sind um so besorgniserregender und wahrscheinlicher, als sie in den Tatsachen ihre Begründung finden, daß bis jetzt die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft ihrer übernommenen Verpflichtung zum Bau einer Eisenbahn auf jede nur mögliche Weise aus dem Wege zu gehen versucht oder doch die Verwirklichung in die Länge geschoben hat, sowie daß auch noch kein Anzeichen vorhanden ist, was auf einen endlichen Beginn des Baues schließen ließe.

Die Nützlichkeit und Notwendigkeit einer Eisenbahn-Verbindung der Eifel mit anderen Landesteilen ist schon wiederholt an maßgebender Stelle erörtert und gewürdigt worden, so daß auf eine Wiederholung aller Einzelheiten verzichtet werden kann. Es sei noch bemerkt, daß die Eisenbahn-Angelegenheit mit jedem Jahre eine sehr ernste Lebensfrage der Eifel wird und eine rasche Erledigung auf`s dringendste erheischt, sollen nicht dieses von der Natur schon vernachläßigten Landes, Industrie, Handel und Verkehr fast gänzlich daniederliegen, ihrem vollständigen Ruin entgegensehen.

Unterschrieben ist diese Petition von:

F.A. Friderichs, Gerbereibesitzer
M. Triboulet, Apotheker
Schmitz, Bürgermeister
C. Heyder, Gutsbesitzer
Kessler, Verwalter des Malberger Hüttenwerkes
J. Schwickerath, Ortsvorsteher und Kaufmann
W. Surges, Kaufmann
Niederprüm, Kaufmann

 

Bereits ein Monat später, mit Datum vom 22. Januar 1867, wurde die Eingabe der beiden Gemeinden vom Büro des Abgeordnetenhauses in Berlin beantwortet.

 

Das Antwortschreibens aus dem Büro des Abgeordnetenhauses aus Berlin im Januar 1867 im Wortlaut.

An die Gemeinden Kyllburg und Malberg

Auf die von den Gemeinden Kyllburg und Malberg

bei dem Hause der Abgeordneten eingebrachte Petition d.d. (ohne Datierung)

die Ausführung des Projectes einer Eisenbahn von Trier nach Call durch die Eifel betreffend, ist das Haus der Abgeordneten in der heutigen Sitzung dem Beschluß seiner Commision für Handel und Gewerbe gefolgt, die Petition zur Erörterung im Plenum für nicht geeignet zu erachten,

weil der Vertrag über die Zeitgarantie für die Call-Trierer Bahn auf Grund des Beschlusses beider Häuser des Landtages erst im Laufe dieses Herbstes zum Abschluß gekommen ist, daß mithin eine Säumnis weder der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft noch der Königlichen Staats-Regierung zur Last fällt, die Beschwerde der Petanten mithin als verfrüht und unbegründet erscheint, wovon die Gemeinden bei Rückgabe der beigefügten Petition hierdurch in Kenntnis gesetzt werden, mit dem Bemerken, daß nach der Bestimmung des
§ 20. der diesseitigen Geschäfts-Ordnung Petitionen zur Erörterung im Plenum entweder von der Commision oder von 15 Mitgliedern des Hauses angetragen wird. Dies ist bei Ihrer Petition nicht geschehen und kann dieselbe daher, da das Haus sich heute mit dem Ausspruch der Commision einverstanden erklärt hat, nicht von Neuem an das Abgeordneten Haus eingereicht werden

Berlin, den 22.ten Januar 1867
Das Bureau des Hauses der Abgeordneten
Unterschrift
Journ. II. Nr. 1000

 

Dass in den Folgejahren dann endlich die Eisenbahn gebaut wurde, war ein Segen für die Eifelregion.

Die mehrfach verschobene Einweihung der Strecke erfolgte am 1. Juli des Jahres 1871.

Vor allen Dingen in Kyllburg und Umgebung konnte man seit der Eröffnung der Eifelbahn im Jahre 1871 einen deutlichen Aufschwung in Industrie, Handel und Fremdenverkehr feststellen. Da nun, wie in der vorgenannten Petition der Gemeinden dargestellt, die „Verbindung der Eifel mit anderen Landesteilen“ hergestellt war, konnten bei uns nicht nur Arbeitsplätze gesichert, sondern auch viele neue geschaffen werden.

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