Chronik 1200 Jahre Kyllburg

1774 Gerbereien in Kyllburg

Der Beruf des „Gerber“ oder „Lederer“ ist wohl einer der ältesten! Schon in früheren Zeiten wussten die Menschen Tierfelle zu konservieren und Leder herzustellen. Die Gerberzunft gehörte im Mittelalter zu den reichsten und vornehmsten Zünften in den Eifelstädten. Gute Eichenlohe und kalkarmes Wasser waren in unserer Gegend die beste Voraussetzung für die Herstellung eines qualitativ vorzüglichen Leders. Ähnlich wie in anderen Orten (Prüm, Hillesheim und Dudeldorf), waren auch in Kyllburg einige Gerbereien.

Im Bistumsarchiv Trier befindet sich ein Bittgesuch des Rothgerbers Mathes Simon aus Kyllburg von 1774.

Darin beklagt er sich bei dem Hochwürdigsten Erzbischof und Durchlauchtigsten Churfürsten über das Hausieren fremder Krämer mit dem „sogenannten welschen Letter“ (= französisch, allgem. auch abwertend für ausländisch). Trotz nachdrücklichstem Verbot werde diese Art Leder in dem ganzen Amt, ja selbst in der Stadt Kyllburg öffentlich feil herumgetragen, ohne die geringste Beschwernis (Steuer) an den Kurfürsten oder die Landschaft abzuführen. Diese Leute könnten ihre Waren deshalb auch etwas wohlfeiler verkaufen. Sie verkauften mehr gegen bares Geld, als der untertänige Supplicant Mathes Simon zum nämlichen Preis ausborgen könne.

Auf den Märkten fand eine strenge Kontrolle der Verkaufsart und Preisbildung statt, wobei neben Güte der Ware auch das Maß und Gewicht auf seine Richtigkeit genau nachgeprüft wurde. So wurden die Gerber und Lederhändler von Beauftragten des Hochgerichts zu Kyllburg in Bezug auf Maße und Gewichte überwacht und überprüft. Am 27. September 1784 erschienen auch noch zwei Trierer Stadtzunftmeister, denen zufolge landesherrlicher Verordnung das Gericht zu zweckmäßiger Prüfung des von auswärts zum Markt kommenden Leders sowohl als fertigen Schuhwerks allen Vorschub und hilfreiche Hand in ihren Verrichtungen leisten sollte. Das Hochgericht hatte dagegen nichts einzuwenden und nahm die beiden Zunftmeister zur Untersuchung von Leder und Schuhen mit. Als man zu prüfen begann, kam es zu einer unliebsamen Auseinandersetzung. Die Trierer wollten mit ihren Maßen, die Kyllburger jedoch wie herkömmlich das Leder abmessen. Angesichts der drohenden Haltung der Lederhändler zogen die Trierer Meister ab. Der Zwischenfall löste eine Beschwerde des Hochgerichts an den Amtsverwalter aus. Damit scheint dann der Fall erledigt gewesen zu sein; denn das Kyllburger Hochgericht vermerkt darüber in der Folgezeit nichts mehr.

Ende des 18. Jahrhunderts existieren die Gerbereien Weber, Simon, Wallenborn und Niederprüm in Kyllburg. Im Bestandsregister von 1867 sind diese Gerbereien nicht mehr aufgeführt.

Im Jahre 1848 ging die Gerberei des Schankwirts Theodor Weber, durch Kauf, an Franz Adolf Friderichs über.

Die von Friderichs produzierten Leder waren in ihrer Qualität so gut, dass aufgrund der großen Nachfrage eine Produktionserweiterung notwendig wurde. Die von Weber gekauften Gebäude waren für eine Vergrößerung ungeeignet. Am 20. Juni 1865 ersteigerte Friderichs ein Grundstück – auf der Neubigwiese gelegen- von den Erben des Jack. Schwickerath aus Kyllburg. Auf dem am Mühlenteich gelegenen Gelände errichtete er neue Gerbereigebäude mit eigener Lohmühle, das Mahlen der Rinde in einer Lohn-Lohmühle entfiel hiermit.

Gerbstoffe waren Eichen- und Fichtenrinde, zur Qualitätsverbesserung wurde jetzt überseeische Eichen (Walonea) zugesetzt. Rohware (Häute) wurde in der Umgebung, meist aber beim Häute-Handel eingekauft. Für das Fertigprodukt „Wild-Sohlleder“ wurden die Häute aus Übersee bezogen.

Zwischenzeitlich hatte Sohn Carl Friderichs die Gerberei übernommen und den Betrieb weiter vergrößert. Vater Franz Adolf Friderichs übernahm die Zweigniederlassung seines Ledergeschäftes in Dortmund (1884).

Vor dem Bau der Eisenbahn wurden zweimal jährlich Pferdegespanne, schwer mit Leder beladen, nach Frankfurt gekarrt. Auf der dortigen Ledermesse erzielten die Eifler Sohlleder einen guten Preis.

Hauptabnehmer der Eifler Lederwaren in den Kriegen 1870/71 sowie den beiden Weltkriegen war die Heeresverwaltung, ansonsten gingen die Produkte in die Schuhindustrie und den Lederhandel.

Im weiterhin ausgebauten Betrieb entstand beim Eisgang im Januar 1891 ein gewaltiger Schaden. Die Nachbarn Zahnen (Mühle) und Friderichs kämpften jahrelang mit der Eisenbahndirektion um eine Entschädigung. Als Begründung ihrer Klage führten die Geschädigten an, dass durch die Umlegung der Kyll beim Bau der Eisenbahn die veränderte Wasserführung u. a. für den Schaden verantwortlich sei. Die jahrlangen Verhandlungen endeten 1896 mit einem Vergleich.

Die Kyllburger Lederfabrik gehörte dem Altgerberverband an, d. h. nur Rohhäute die ca. 10 Monate in Gruben – versetzt mit Lohe – zu Qualitätsleder herangereift waren entsprachen den strengen Vorschriften des Verbandes. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Lage der „Altgerber“ immer schwieriger; zu lange dauerte die Produktionszeit. Vom Einkauf der Haut bis zum Verkauf des fertigen Leders vergingen 12 Monate. Also ging man zu schnelleren Gerbverfahren über. Neben der Altgerber-Grubengerbung wurde jetzt in Kyllburg die Schnellgerbung in Fässern eingeführt. Leider brachten all diese Bestrebungen keinen Erfolg. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts ging es auch den mittleren Betrieben „ans Leder.“ Kunststoff und Gummi, aber auch Billigimporte verdrängten die hiesigen Leder. Zu dieser Zeit stellte die Firma Friderichs die schon seit Jahren zurückgefahrene Produktion ein.

Das Grundstück wurde an die angrenzende Mühle verkauft und in späteren Jahren eingeebnet.

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