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125 Jahre Eifeler Hof

Die großen Fünf – die „Big Five“ – sind Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. Es sind die afrikanischen Tiere, die ein jeder Möchtegern-Großwildjäger mal erlegt haben will. Alternativ lassen sie sich selbstverständlich auch fotografisch abschießen. Ich weiß nicht, ob jemals ein Großwildjäger darunter war, wenn sich seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert Zigtausende Touristen durch Kyllburgs einst so malerische Gässchen zwängten, aber eines war und ist sicher, auch in Kyllburg können sie ihre „Big Five“ abschießen.

Kopfkino bitte abschalten! Nein, es lungern keine Löwen an der Gummiecke rum. Kein Nashorn ist jemals die Hochstraße entlang gerannt. Niemals spielte ein Elefant bei Klotz‘ den sprichwörtlich selbigen im Porzellanladen. Und auch die anderen Tiere gehören nicht zur einheimischen Fauna. Das wildeste Tier hier war 1997 ein einsames Zirkus-Kamel an der Bushaltestelle. Das ist aber eine andere Geschichte.
Ich spreche von den fünf großen Kyllburger Sehenswürdigkeiten: Stiftskirche, Burgturm, Mariensäule, Bahnhofsgebäude mit den Tunnelportalen und, nicht zu vergessen, der Eifeler Hof.

Auf gut 40 Metern Länge dominiert das einstige Luxushotel die Hochstraße. Kaiser, Kronprinzen, Diplomaten und Honoratioren jeglicher Couleur bevölkerten den unübersehbaren Prachtbau. Für viele Jahrzehnte war der Eifeler Hof die Topadresse zwischen Köln und Trier, zwischen Luxembourg und Koblenz. In der gesamten Eifel gab es lange nichts Vergleichbares. Ich möchte an dieser Stelle nicht vom Aufstieg und Niedergang unseres kleinen Städtchens dozieren, eine kleine Anmerkung sei mir dennoch gestattet. Das Wohl und Wehe Kyllburgs scheint untrennbar verknüpft mit dem Eifeler Hof zu sein. Geradezu beängstigend war ein Niedergang des einst blühenden Kurortes zu beobachten, als die braven Nonnen der „Heilig Geist Schwestern“, die seit 1959 das Hotel geführt hatten, im Jahre 1987 den Eifeler Hof an die Familie Abeler verkauften. Zwar wurde das Haus umfangreich renoviert, der Fuchsbau wurde eröffnet, inklusive virtuellem Golfomat und Kegelbahn, aber an die einstigen Erfolge konnte man dennoch nicht mehr anknüpfen. Derweil verlor Kyllburg ein Geschäft nach dem anderen. 1999, nach einem Weiterverkauf des Eiflers, wurde das Haus für immer geschlossen – so dachten wir das zumindest.

Es dauerte 14 lange Jahre bis die Firma Alcazar es wagte, dem maroden Gebäude neues Leben einzuhauchen. Und siehe da, auch mit Kyllburg geht es langsam wieder aufwärts. Die Wechselbeziehung  ist schon etwas seltsam und vielleicht könnte es sich lohnen, diese Zusammenhänge mal wissenschaftlich zu erforschen.

Dabei hat doch einst alles recht unscheinbar angefangen. Der wirtschaftliche Aufschwung des Ortes begann, als 1870 die Eisenbahnstrecke mitten durch die Kyllburger Berge gebohrt wurde. Bis dahin verdienten die Kyllburger mühsam ihr Geld mit dem Anbau von Hopfen und der Herstellung von Leder. Durch die Eisenbahn aber konnten nun auch die Bodenschätze, sprich der Sandstein, weit über die Landesgrenzen hinaus vermarktet werden. Glücklich der, der einen Steinbruch besaß. Einer dieser Steinbruchbesitzer war ein gewisser Wilhelm Schulte. Der wurde durch den Verkauf seiner Sandsteinprodukte, bitte verzeiht das Wortspiel, steinreich. Er besaß schon seit Jahren eine Gaststätte am Neubog (so hieß die Hochstraße damals), diese konnte er aufgrund seiner wirtschaftlichen Erfolge recht bald erweitern, was schließlich im Bau des Eifeler Hofes gipfelte. Am Pfingstwochenende des Jahres 1890 (Pfingstsonntag war der 25. Mai) war es endlich soweit. Die Kyllburger konnten das mit Abstand größte Profangebäude bestaunen, das jemals in Kyllburg gebaut wurde. Und Luxus wurde hier groß geschrieben. Der Eifeler Hof hatte von Anfang an Zentralheizung und fließendes Wasser. Das Haus erhielt auch als erstes elektrische Energie, sowie einen Telefonanschluss. Folgerichtig konnte man seinerzeit der Vermittlung einfach mitteilen, dass man gerne mit dem Fernsprechapparat Nummer 1 verbunden werden wöllte und flugs hatte man den Eifler an der Strippe. Konzerte, Bälle, Empfänge, Konferenzen und Tagungen, all das fand an der besten Adresse des Ortes statt; auch heute wieder.

Mit der Geschichte und den Geschichten des Eifeler Hofs könnte man sicherlich ein ganzes Buch füllen. So vieles ist in den letzten 125 Jahren geschehen. Und die Geschichte des Eifeler Hofes ist zudem ein Stück weit die Geschichte des Ortes. So verwoben sind die Geschicke der beiden Protagonisten.

Bleibt zu hoffen, dass der Eifeler Hof auch die nächsten 125 Jahre die erste Adresse des Ortes bleibt und wir von einer weiteren Schließung verschont bleiben. Ich jedenfalls wünsche den Betreibern alles Glück der Welt und viel Erfolg. Ihr seid auf einem guten Weg. Und dem Eifeler Hof sage ich: Happy Birthday – herzlichen Glückwunsch zum 125. Geburtstag!

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